Rekonstruktion von Griesheim im Mittelalter

Sicher hat sich nicht jeder von Ihnen gefragt, wie Griesheim wohl im Mittelalter aus der Luft ausgesehen haben könnte. Trotzdem gibt es heute auf Stadt.Land.Sand die Antwort auf diese Frage. Gleichzeitig wird zu sehen sein, dass das mittelalterliche Griesheim nicht, wie oftmals behauptet, am Kreuz lag, sondern etwas weiter südwestlich.

Dargestellt ist ein Blick von Südosten auf den alten Ortskern. Da im Titelbild die Überschrift ein wenig stört, will ich Ihnen das gleiche Bild nochmal ohne Text zeigen:

Griesheim um 1350. Blick von Südosten. Rekonstruktion und Zeichnung: Daniel Jünger

Gut erkennbar ist, dass Griesheim um 1350 sehr viel kleiner war als heute. Der Ortskern umfasste nur sehr wenige Gassen, im wesentlichen waren dies die Pfützenstraße als damalige Hauptstraße, die Backesgasse, die Hintergasse, die Schulgasse, die Pfarrgasse und die Pariser Gasse.

Am westlichen Rand lag die Pfarrkirche, die heutige Lutherkirche. Ihre heutige Bausubstanz ist im wesentlichen neuzeitlich, die Fenster der Nordfassade sind aber noch mittelalterlich. Rund um die Pfarrkirche lag vielleicht ein altes Gehöft, das ehemals der Sitz des Ortsherren war.

Nach seiner stadtartigen Umgestaltung im Hochmittelalter hatte Griesheim jedoch keinen Ortsherren mehr. Der Sitz des Vertreters der Landesherren, der Grafen von Katzenelnbogen, war ein etwas größerer Hof am südlichen Tor. Ein Rathaus gab es noch nicht.

Der Ort war befestigt, dies verrät bis heute der Straßenname Pfützenstraße. An drei Seiten war dies wahrscheinlich eine Palisade mit davor liegendem Graben, der von Dornenhecken überwuchert war. Östlich könnte abschnittsweise auch eine Mauer bestanden haben. Wahrscheinlich hatte der Ort zwei, vielleicht auch mehr Tore.

Gut zu erkennen sind die beiden Landschaften, auf deren Grenze Griesheim liegt. Das Dünenland östlich kann nur schwer für Ackerbau genutzt werden, das Land dort lag deshalb brach oder wurde als Viehweide genutzt. Die westliche Gemarkung dagegen ist viel fruchtbarer und wurde deshalb intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Ehemals durchzogen auch kleine Bachläufe den Ortskern von Griesheim. SIe führten aber vermutlich nicht durchgehend Wasser, sind aber in alten Karten verzeichnet. Vielleicht wurden sie auch genutzt, um den Dorfgraben mit Wasser zu füllen.

Erst Ende des 16. Jahrhunderts dehnte sich Griesheim über diese Grenzen aus. Die Oberndorferstraße, die Groß-Gerauer-Straße, die Pfungstädter Straße, die Kreuzgasse und die Kirchgasse sind erst in dieser Zeit besiedelt worden. Die Häuser dort haben die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges besser überstanden, als die viel älteren Häuser im mittelalterlichen Kern des Ortes. Deshalb hält man oft den Bereich um das sogenannte „Kreuz“, um das noch zahlreiche Fachwerkhäuser stehen, für den Ortskern. Dies ist aber falsch.

Möglicherweise ist diese Fehlinformation auch der Grund, warum die Stadt Griesheim mit ihrem eigentlichen historischen Ortskern so stiefmütterlich umgeht und den Bereich der immer weiter fortschreitenden Zerstörung preis gibt.

Um die Orientierung etwas zu vereinfachen hier nochmal das Bild mit den heutigen Straßennamen:

Es folgt nun der Vergleich mit dem modernen Griesheim:

Gleicher Bildausschnitt wie zuvor. Zu sehen ist der alte Ortskern Griesheims. Quelle Stadt Griesheim

Wer tiefer in das Thema der Griesheimer Ortstopographie im Mittelalter einsteigen möchte, dem seien folgende Artikel auf diesem Blog empfohlen:

2 Gedanken zu „Rekonstruktion von Griesheim im Mittelalter“

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