Altes Rathaus rettet Zöllerhannes.

Ein Plädoyer für eine städtebaulich angemessene Lösung

Vor einigen Tagen gab es gute Neuigkeiten aus dem Rathaus: Die Stadt wird das Grundstück erwerben, das nördlich an das Bürgerhaus „Zöllerhannes“ anschließt. Dies ermöglicht eine ganze Reihe an Möglichkeiten – und zwar deutlich mehr, als in der Pressemitteilung genannt werden. Die Stadt gelangt somit in den Besitz einer Fläche, die jahrhundertelang schon in öffentlichem Besitz war. Ursprünglich stand hier nämlich das historische Rathaus aus dem 17. Jahrhundert, das leider nach starken Kriegszerstörungen nach 1945 abgebrochen wurde. Die Lücke, die es hinterließ, wurde bis heute nicht geschlossen. Statt nun aber mit einem großen Parkplatz eine noch größere Bresche in diesen historischen Bereich Griesheims zu schlagen, sollte hier eine städtebaulich sinnvolle Lösung gesucht werden – und das ist der Wiederaufbau des alten Rathauses. Neben dem Heilen der Kriegswunde und dem Anknüpfen an die Griesheimer Geschichte können dadurch alle funktionalen Mängel am Zöllerhannes behoben und das Bürgerhaus so endlich zukunftsfähig gemacht werden.

Zunächst soll einmal die heutige städtebauliche Situation betrachtet werden. Das Bürgerhaus „Zöllerhannes“, gelegen an der Straßenecke von Oberndorfer Straße und Schaafgasse, ist seit vielen Jahren im städtischen Besitz. Es füllt das kleine Grundstück fast vollständig aus und besitzt keinerlei Außenanlagen.

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Lageplan der Umgebung des Zöllerhannes´aktuell.

Der Zöllerhannes kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ursprünglich handelte es sich um die Gaststätte „Zum Grünen Laub“, die an der Straßenecke entstanden war. Neben dem offiziellen Namen bürgerte sich bald die Benennung nach dem Wirt Johannes Zöller = Zöllerhannes ein. Nördlich neben dem eigentlichen Gasthaus steht der zugehörige Saal, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde.

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Die heutige Situation am Zöllerhannes: Rechts ist das Saalgebäude des Bürgerhauses zu sehen. Hinter dem Putz verbirgt sich vermutlich noch eine Klinkerfassade, die auf historischen Bildern zu sehen ist. Neben dem Saal liegt ein kleiner Parkplatz und diverse Mülltonneneinhausungen.

Noch ein Stück weiter nördlich liegt ein kleiner Parkplatz. Er liegt recht unmotiviert zwischen den umgebenden Häusern und stellt eine städtebauliche Lücke dar. Um zu klären, was hier früher einmal war, müssen wir in die Geschichte blicken.

Blick in die Geschichte

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Obiger Plan zeigt die Situation vor den Kriegszerstörungen. Die nördliche Oberndorfer Straße diente damals, wie viele Jahre zuvor, als Griesheimer Marktplatz (-> mehr Infos dazu). Deshalb fand sich hier auch das historische Griesheimer Rathaus. Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und beherbergte bis ins 19. Jahrhundert die Bürgermeisterei.

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Historische Aufnahme des Alten Rathauses und der Gaststätte „Zum Grünen Laub“ (Zöllerhannes). Der Saal, der sich an das Gasthaus anschloss, war um die Jahrhundertwende noch nicht erbaut. Der Baum rechts stand auf der Straßenecke Schaafgasse / Oberndorfer Straße und gab dem Lokal den Namen. Bildquelle: Stadtarchiv Griesheim

Der Baustil des Rathauses zeugte von einem gewissen Wohlstand, den Griesheim offensichtlich zur Bauzeit, vor dem 30jährigen Krieg, hatte. Es ähnelt anderen Bauten im gleichen Renaissancestil in Südhessen (-> mehr Infos dazu). Es wurde am Übergang der mittelalterlichen Siedlung um die Pfützenstraße zur Ortswerweiterung des 16. Jahrhunderts im Bereich der Oberndorferstraße errichtet.

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Griesheim um 1625. Rekonstruktion.

Die Situation um 1625 zeigt obige Rekonstruktion. Eingetragen ist das alte Rathaus, die Oberndorfer Straße und die Schaafgasse. Möglicherweise gab es auch eine Griesheimer Ortsbefestigung (-> mehr Infos dazu), deren Tor im Bereich des Zöllerhannes gelegen haben könnte (-> mehr Infos dazu).

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Mögliche Griesheimer Burg um 1250? Freie Rekonstruktion.

Es gibt Theorien, die davon ausgehen, dass Griesheim auch einmal eine Burg gehabt haben könnte (-> mehr Infos dazu). Ein denkbarer Standort liegt etwas nördlich des alten Rathauses und des Zöllerhannes. Die Vorburg, die sich mit viel gutem Willen im Katasterplan abzeichnet, könnte den Bereich des Rathauses umschlossen haben. Beweise hierfür gibt es allerdings eher nicht, nur eine Reihe von Hinweisen (-> mehr Infos dazu).

Es ist aber festzuhalten, dass sich sowohl der Zöllerhannes als auch das nördlich angrenzende Rathausgrundstück auf historisch wichtigem Boden befinden. Der Kauf des Rathausgrundstückes gibt die Möglichkeit, das Gelände archäologisch zu untersuchen und dadurch diverse Fragen zur Griesheimer Geschichte klären zu können. Diese Chance darf auf keinen Fall vertan werden!

Heutige Probleme

Neben der Erforschung der Geschichte ermöglicht der Kauf des Grundstückes aber auch, Probleme der heutigen Zeit zu beheben. Neben großen städtebaulichen Mängeln an der jetzigen Situation sind dies vor allem funktionale Schwierigkeiten am Bürgerhaus Zöllerhannes, die dessen Zukunftsfähigkeit in Frage stellen. Schauen wir uns einmal den Jetzt-Zustand an:

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Wir sehen oben einen Auszug aus der jetzigen Situation des Zöllerhannes. Schwarz markiert ist das zugehörige Grundstück und die Fläche des kleinen Parkplatzes, die bisher schon in städtischem Eigentum waren. Rot markiert ist der Bereich, der nun neu dazu kommt. Nun soll gewissermaßen das Dach des Zöllerhannes abgenommen werden, damit wir uns die Aufteilung des Erdgeschosses anschauen können:

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Gelb markiert sind die Räume, die dem Publikumsverkehr dienen, also die Gaststube an der Straßenecke und, getrennt davon, der Saal nördlich. Erschlossen werden die öffentlichen Räume durch einen Flur, der vom Haupteingang an der Schaafgasse an der Gaststube vorbei zum Saal führt. Der Saal hat dazu noch einen eigenen Eingang zur Straße hin, der aber so gut wie nie bei Veranstaltungen genutzt wird. Die Küche liegt zwischen Gastraum und Saal, östlich liegen die WC-Anlagen. Hinter der Bühne des Saales liegen noch einige Nebenräume.

So weit, so gut. Wenn man sich aber die Sache genauer betrachtet, werden diverse Probleme sichtbar, die von der Gebäudestruktur, die ja historisch entstanden ist, verursacht werden:

Erschließung

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Der Haupteingang (1) liegt ziemlich unscheinbar an der Südostecke des Komplexes. Er wird optisch nicht den Anforderungen einer 30.ooo-Einwohnerstadt an ihr wichtigstes Bürgerhaus gerecht. Zudem gibt es funktionale Probleme. Der barrierefreie Zugang wird durch eine provisorische Rampe gelöst, die ggf. nicht alle gesetzlichen Vorgaben an eine solche Rampe erfüllt.

Der Flur (2) führt gewinkelt, schmal und dunkel zum Saal und zum Gastraum. Aufgrund seiner Breite und seiner Gestaltung erfüllt er nicht die heutigen Vorstellungen an solch einen Raum. Zudem kann er aufgrund der geringen Größe nicht als Foyer dienen – dieses würde aber funktional benötigt.

Der Flur mündet schließlich neben der Bühne (3) in den Saal. Dies ist die falsche Stelle, um den Saal zu betreten. Besucher, die nicht pünktlich zu Veranstaltungen kommen, stören neben der Bühne vielleicht das Geschehen – unangenehm für alle Beteiligten.

Öffentliche Räume

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Der Gastraum (4) ist von der Größe und Lage angemessen. Allerdings entspricht seine Ausstattung nicht mehr aktuellen Anforderungen. Die Befensterung lässt den Raum eher dunkel wirken. Moderne gastronomische Betriebe suchen dagegen verstärkt eine Sichtbarkeit von außen, dies gibt der Zöllerhannes so nicht her.

Die Nebenräume der Bühne (5) haben keinen eigenen Außenzugang. Dadurch müssen alle Materialien für die Bühne durch den Saal geschleppt werden. Dies ist mühsam und schränkt die Nutzbarkeit ein.

Der Eingang in den Saal (6) ist isoliert vom restlichen Gebäude. Er kann auch nicht als Foyer dienen, da er zu klein ist. Auch sind von hier nicht die WC-Anlagen zu erreichen, ohne durch den Saal gehen zu müssen.

Technische Flächen

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Die Küche (7) liegt funktional gut zwischen Gastraum und Saal, auch sind über die Treppe gut die Lagerräume zu erreichen. Es gibt aber keinen direkten Zugang zu einem Wirtschaftshof, der Müll muss deshalb zwischengelagert werden und muss dann auf das Parkplatzgrundstück nördlich transportiert werden.

Der Innenhof (8) kann seine ursprüngliche Aufgabe, nämlich die Belichtung der angrenzenden Räume, nur noch eingeschränkt erfüllen, da hier ein Kühlzelt platziert wurde. Dies ist schlecht erreichbar.

Die WC-Anlagen (9) sind funktional in Ordnung, optisch allerdings nicht unbedingt anspruchsvoll.

Das barrierefreie WC (10) ist vermutlich nicht groß genug, um den aktuellen Platzanforderungen der DIN 18040 für barrierefreie Sanitärräume zu entsprechen.

Außenanlagen

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Da das Grundstück voll bebaut ist, ergeben sich für den Zöllerhannes einige Nachteile:

Es gibt keine Möglichkeiten, eine Bestuhlung außerhalb des Gebäudes anbieten zu können. Dem Wirt entgehen so wichtige Einnahmen und er kann die Wünsche des Publikums nur teilweise erfüllen. Vor einigen Jahren wurde versucht, dies mit einer Sperrung der Schaafgasse (11) im Sommer zu kompensieren. Leider hat sich dies optisch nicht als überzeugen herausgestellt, so dass die Gäste dies nicht in einem erwünschten Maße nutzten.

Auch westlich des Gebäudes ist kein Platz (12). Der Bürgersteig ist hier äußerst eng. Bei Veranstaltungen können deshalb auch keine Besucher dort angenehm warten – das Gebäude hat schlicht keinen Vorplatz.

Ebenso sind Stellplätze ein Problem. Der kleine Parkplatz nördlich (13) bietet nur einen Bruchteil der eigentlich notwendigen Abstellmöglichkeiten. Allerdings gibt es weiter nördlich in der Hintergasse und der Schulgasse viele weitere öffentliche Parkplätze.

Lösung durch Parkplatz ?

Die Pressemitteilung der Stadt zum Kauf des Grundstückes erklärt, dass durch den Kauf des nördlichen Grundstückes u.a. die Probleme in Bezug auf Stellplätze und die Außengastronomie gelöst werden könnten. Funktioniert das? Dazu schauen wir uns einmal an, wie man das „neue“ Grundstück in Form eines Parkplatzes nutzen könnte:

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Es könnten auf dem Grundstück nördlich des Zöllerhannes etwa 34 Stellplätze entstehen. Über die Fahrgasse des Parkplatzes könnte darüber hinaus eine bessere Anfahrbarkeit an den Saal, bzw. die Bühne erreicht werden. Gelöst würden so von den oben aufgeführten 13 Mängeln aber lediglich zwei. Das ist nicht ausreichend, um dem Zöllerhannes neues Leben einzuhauchen.

Auf dem Grundstück könnte neben Stellplätzen natürlich auch ein kleiner Biergarten für die Außengastronomie entstehen:

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Die Anlage des Biergartens kostet natürlich Stellplätze. In der oben dargestellten Variante sind nur noch 28 Plätze vorhanden. Die Qualität des Biergartens wird unter den direkt daneben angeordneten Stellplätzen deutlich leiden und deshalb in der Attraktivität Abstriche machen müssen. Wichtiger ist aber an dieser Stelle folgendes: In der obigen Variante werden von den 13 Mängeln jetzt nur drei Mängel behoben. Dafür entsteht automatisch ein neues Problem (14): Es besteht keine gute Verbindung von der Küche und den WCs zum Biergarten. Ein Zugang müsste entweder über den Gehweg führen (was nicht zumutbar ist), oder durch den Saal. Dieser wäre dann niemals nutzbar, wenn die Außengastronomie geöffnet ist oder die Außengastronomie müsste während der Benutzung des Saales geschlossen bleiben. Dies würde auch für die Auf- und Abbauvorgänge auf der Bühne gelten – schließlich kann man zu diesen Zeiten kein Publikum durch die „Baustelle“ laufen lassen. Der Biergarten an dieser Stelle wäre also keine Lösung, die einen Gastwirt zufrieden stellen würde.

Städtebauliche Katastrophe

Darüber hinaus muss einmal städtebaulich betrachtet werden, wie die Lösung „Stellplatz und Biergarten“ zu bewerten ist: schlichtweg katastrophal. Die Lücke, die durch die Zerstörung des Rathauses entstanden ist, würde verschärft werden. Beim Städtebau geht es darum, gut gestaltete  Stadträume zu schaffen, die angenehm empfunden werden. Dies führt zu Akzeptanz von Stadtbereichen und im Idealfall sogar zu größerer Identifikation und damit zu positivem Engagement. Ein Parkplatz mitten im ältesten Stadtbereich kann diese Ziele bei weitem nicht erreichen. Er stellt lediglich eine technische Lösung eines Verkehrsproblemes dar, die im Gewerbegebiet angemessen sein mag – nicht jedoch im Herzen des alten Griesheims. Ein liebloser Stellplatz führt auch in der Umgebung zu lieblosem Umgang mit der Stadt. Ein zerfallender Stadtkörper ist das Resultat, das niemand ernsthaft wünschen kann. Zumal, wie oben gezeigt, eine ganze Reihe von Problemen im Zöllerhannes bleiben werden, die so gravierend sind, dass sich die Frage stellt, warum man die Stadt an dieser wichtigen Stelle so stark zerstören sollte, wenn noch nicht einmal das Fortbestehen des Bürgerhauses dadurch langfristig erreicht wird.

Deshalb muss eine bessere Lösung gefunden werden. Ich sehe diese wie folgt:

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Der südlich Teil des Zöllerhannes ist baulich nicht im allerbesten Zustand und hat zudem zahlreiche Mängel (1-13). Die Schaffung einer Außengastronomie ist zudem funktional nicht möglich. Das Gebäude in der heutigen Form wird daher aufgegeben und abgebrochen.

Stattdessen wird ein neues Gebäude auf der Nordseite errichtet:

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Das neue Gebäude (rot umrandet) wird an der Stelle des historischen Rathauses errichtet. Es nimmt dessen Geometrie fast vollständig ein, nur auf der Nordseite muss es etwas zurückspringen, um den vorgeschriebenen Abstand zu den Nachbarn einzuhalten und um Platz zu machen für eine Einfahrt. Im Gebäude entsteht auf zwei Etagen ein neuer Gastraum für das Restaurant des Zöllerhannes.

Zwischen dem Gastraum und dem erhaltenen Saal wird ein Foyer als Verteiler errichtet. Dieses erfüllt die Vorgaben von Funktion und Repräsentation an einen Zugang, die das bisherige Gebäude nicht einlösen konnte. Vom Foyer aus gelangt man in den Gastraum, in den Saal, zu den WCs im Untergeschoss, zum barrierfreien WC im EG und zu der Küche. Diese wird in einem Anbau (blau) an den Saal auf der Nordseite untergebracht.

Nördlich bzw. östlich des Neubaus bleibt ein Hof, der noch ca. 16 Stellplätze umfasst und eine Anlieferung der Bühne und der Küche ermöglicht.

Bleiben natürlich noch ein paar Punkte zu lösen. Was geschieht mit dem nun freien Eckgrundstück? Wo entstehen die fehlenden Stellplätze? Und was ist mit der Außengastronomie? Dazu folgender Vorschlag:

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Auf dem Eckgrundstück entsteht ein Neubau mit Wohnungen. Da dieser Grundstücksbereich nicht mehr voll bebaut werden muss, bleibt genug Fläche für einen kleinen Garten für die Bewohner. Da das Grundstück in städtischem Besitz ist, könnten hier geförderte und damit bezahlbare Mietwohnungen entstehen, wahrscheinlich etwa sechs bis acht Stück.

Die Oberndorfer Straße ist seit einiger Zeit keine Landesstraße mehr. Es gibt deshalb keinen Grund, diese in der aktuellen Breite zu erhalten. Der Fernverkehr und der Verkehr in den Griesheimer Südwesten soll den neuen Westring nutzen. Es ist deshalb möglich, die Straße deutlich schmaler auszubilden und im nördlichen Abschnitt zu einer Einbahnstraße zu machen. Dadurch enstehen im Straßenraum etwa 13 neue Stellplätze, also mit den Plätzen im Hof zusammen 29. Dies entspricht der oben gezeigten Stellplatz- und Biergartenlösung (die ja keine funktionierende Lösung ist…).

Durch die Schaffung von breiteren Gehwegen im Bereich des neuen Alten Rathauses entsteht ein Straßenraum, der für die Außengastronomie genutzt werden kann. Dieser wird an den alten Griesheimer Marktplatz erinnern, der hier einst war. Es entsteht ein attraktiver Mittelpunkt für das südwestliche Stadtquartier. Im Neubaugebiet Südwest entstehen keine Stadträume, die eine ähnliche Qualität aufweisen werden. Es ist daher vernünftig, im Bereich des alten Griesheimer Herzens dafür einen Ort zu schaffen und die neuen Einwohner so „in die Stadt“ zu holen.

Eine Vorstellung von der Qualität, die dort enstehen kann, sehen Sie hier:

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Vorschlag zur Gestaltung des neuen Zöllerhannes: Das alte Rathaus wird als Teilrekonstruktion wieder errichtet (Südfassade). Der Saal des Zöllerhannes wird gestalterisch überarbeitet (rechts). Die neue Fassung der Straße schafft eine neue Aufenthaltsqualität.

Ich halte die Vorstellung, diese Lösung in Griesheim umsetzen zu können, für äußerst reizvoll. Viele Probleme können so gelöst werden – bei gleichzeitiger Gewinnung eines Identifikationspunktes. Die Schaffung einer bloß technischen Lösung, die, wie oben dargestellt, falsch ist, bringt uns nicht weiter.

Lassen Sie uns Griesheim etwas schöner und besser machen.


Zu einigen Fragen, die noch offen sein könnten, will ich an dieser Stelle schon einige Antworten „vorab“ zur Verfügung stellen:

Frage: Wer soll das bezahlen?

Antwort: Der Neubau mit den Wohnungen kann, wenn die Stadt hier selbst als Bauherr tätig würde, über entsprechende Förderungen (günstige Darlehen) des Landes finanziert werden. Durch die Mieteinahmen können die Darlehen gegenfinanziert werden, sodass hier keine Kosten für die Stadt unter dem Strich verbleiben. Und das sogar bei einem entsprechend günstigen Mietniveau, das deutlich unter dem Griesheimer Durchschnitt liegen kann.

Beim Neubau des Gastronomiegebäudes verhält es sich ähnlich: Da die Stadt hier ein entsprechend attraktives Gebäude zur Verfügung stellen würde, kann auch eine entsprechende Pacht angesetzt werden, die zur Gegenfinanzierung dient. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass in das jetzige Gebäude auf jeden Fall investiert werden muss, wenn man den Zöllerhannes erhalten will. Der derzeitige Zustand ohne Pächter kostet die Stadt jeden Monat viel Geld. Dieser Zustand kann nur durch einen Invest geändert werden. Und in dem derzeitigen Zustand kann auch nur eine niedrigen Pacht von einem Gastronom verlangt werden.

Zudem dient der Zöllerhannes dem kulturellen Leben unserer Stadt. Kultur kostet immer erstmal Geld – aber der Mensch lebt nun mal nicht vom Brot allein. Ein wenig Anspruch an sich selbst sollte diese 30.000-Einwohnerstadt durchaus haben.

Frage: Der Neubau müsste doch nicht unbedingt eine Teilrekonstruktion des Rathauses sein. Hier wäre doch eine aktuelle Architektur auch möglich?

Antwort: Das stimmt. Aber eine moderne Architektur wird sich trotzdem mit der städtebaulichen Situation und der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen haben, wenn hier die notwendige Qualität erreicht werden soll. Mit dem Wiederaufbau des Rathauses ist das problemlos möglich, deswegen würde ich das präferieren. Es sind aber auch andere Lösungen denkbar, die dann ein gutes Fingerspitzengefühl des Architekten verlangen.

Frage: Kann man denn mit vertretbarem Aufwand eine Fassade wie die des Rathauses rekonstruieren?

Antwort: IMG_3041Ja. Vor wenigen Jahren wurde in der Magdalenenstraße in Darmstadt ein ähnliches Haus neu gebaut. Die Schmuckformen und die Proportionen stimmen ziemlich genau mit dem ehemaligen Griesheimer Rathaus überein. Auch hier hatte man sich aus städtebaulichen Gründen entschieden, eine Rekonstruktion des im Krieg zerstörten Vorgängerbaus anzugehen, weil zeitgenössische Architekturen nicht zielführend erschienen. Das Gebäude wird übrigens als Kindergarten genutzt und zeigt seitlich und rückwärtig durchaus eine aktuelle Gestaltungssprache.

Frage: Mit dem Wiederaufbau des Rathauses werden doch nicht ausreichend PKW-Stellplätze geschaffen, oder?

Antwort: Was heißt denn „ausreichend“? Leider wird dem Thema Verkehr immer viel zu viel untergeordnet. Verkehr wird außerdem viel zu eng gefasst – nämlich fast ausschließlich auf das Auto bezogen. In den 50er bis 70er Jahren wurde der gesamte Städtebau dem Thema PKW untergeordnet. Dabei wurde viele gut funktionierende und gestaltete Stadtquartiere zerstört, um Platz für das Blech zu machen. Aber schon ab Mitte der 70er Jahre hatte man erkannt, dass dieser Weg nicht richtig ist. Das Auto bringt uns neben Bequemlichkeit und Freiheit leider auch Gefahren, Stadtraumzerstörung und Umweltzerstörung. Eine Wende hin zu besseren und ausgewogenen Verkehrlösungen hin beginnt jetzt zaghaft. Es ist deshalb mehr als fraglich, im städtebaulich fragilen Bereich rund um den Zöllerhannes einen mittelgroßen Blechkistenplatz zu schaffen, der noch nicht mal alle Probleme löst. Ich behaupte einfach einmal ganz frech: Es gibt am Zöllerhannes gar kein allzugroßes Stellplatzproblem, zumindest nicht in der meisten Zeit. Jeder kennt die Situation und kommt daher gleich zu Fuß oder mit dem Rad oder der Bahn. Dies ist gut – warum sollte man die Menschen von dieser positiven Haltung abbringen? Nördlich des Zöllerhannes in der Hintergasse und der Schulgasse gibt es zudem zahlreiche Stellplätze in direkter Umgebung, die nach einer vernünftigen städtebaulichen Lösung dort sogar noch ausgeweitet werden können. Laßt uns nicht den Fehler früherer Generationen wiederholen und unsere Städte für die Autos ruinieren!

Frage: Die Lösung funktioniert nur, wenn man die Oberndorfer Straße umbaut und der Verkehr anders fließen lässt. Steht diese Lösung wirklich im Verhältnis zur Aufgabe, das Bürgerhaus zu retten?

Antwort: Ja. Ein Bürgerhaus ist ein öffentliches Gebäude, und so ein Gebäude muss immer über die eigene Grundstücksgrenze hinaus wirken. Schließlich gehört es ja uns allen und soll dafür sorgen, dass unsere Stadt besser funktioniert. Zudem steht die Verkehrsberuhigung in der Oberndorfer Straße schon lange an. Seit der Westring da ist, gibt es hier keinen Grund mehr für den überörtlichen Verkehr, hier entlang zu fahren. Die Anwohner haben das gleiche Recht auf eine möglichst ruhige Umgebung, wie die Anwohner anderer Straßen auch. Vor vielen Jahren lief der Verkehr nach Büttelborn noch durch die Pfützenstraße und die Groß-Gerauer Straße. Heute kommt niemand mehr auf die Idee, hier entlang zu fahren, und nicht die Umgehungsstraße zu nutzen. Warum sollte das nicht auch für die Oberndorfer Straße gelten?


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