Der Schießplatz

In der Griesheimer Südgemarkung (die seit 1937 größtenteils zu Darmstadt gehört) wurde von 1874 bis in die 1920er Jahre geschossen. Geübt wurde damals mit Artilleriegeschützen die von der heutigen Autobahn bis fast nach Goddelau / Wolfskehlen schießen konnten. Noch heute kann man in diesen Bereichen gefährliche Hinterlassenschaften aus der Schießplatzzeit finden (von denen man aber in jedem Fall die Finger lassen muss).

Historische Karten zeigen uns das ganze Ausmaß des damaligen Übungsgebietes. Zu Beginn der Aktivitäten 1874 umfasste der Schießplatz den Bereich zwischen Griesheim und der heutigen Autobahn nach Mannheim (die in den 1930er Jahren gebaut wurde). Im Südwesten war auch der Beckerweg (heute Eberstädter Weg) miteinbezogen, die Westgrenze bildete die Pfungstädter Straße.

schiessplatz1876Auf der obigen Karte von 1876 ist schon der Kern des späteren Barackenlagers eingetragen. Die Lagerhauptstraße ist die heutige Lilienthalstraße.

Bis zur letzten Jahrhundertwende wurde der Schießplatz dann erweitert. Dies hatte nicht nur eine Vergrößerung des Lagers zur Folge (Lagepläne des Lagers finden Sie hier), sondern auch die Übungszone wurde ausgebaut:

Plan3_1Obige Karte aus der Zeit um 1900 zeigt zum einen den Umfang des Barackenlagers. Der Schießplatz selbst hat seine Größe nicht verändert. Im Westen ist aber eine Schutzzone eingetragen, die bis an die alten Neckarschleifen nahe des Burghofes heranreichte. Während der der Schießübungen musste dieser Bereich wahrscheinlich geräumt werden.

Den Kernbereich schauen wir uns etwas genauer (aber leider auch ziemlich unscharf) an:

schiessplatz 1900Eingetragen ist eine Mittellinie, die die Hauptschießrichtung zeigt. Geschossen wurde von Ost nach West. Die Geschütze standen auf verschiedenen Kanonenhügeln. Ziel waren die Dünen östlich der Pfungstädter Straße die heute noch zu sehen sind und die in der Karte als „Scheibenberge“ eingetragen sind. Es gibt Darstellungen, die zeigen, dass dort sogar als Attrappe ein Zieldorf aufgebaut war. Südlich der Scheibenberge gab es ein „Übungswerk“, vermutlich stellte diese Anlage eine Bastion einer (Übungs-)Festungsanlage dar.

Besser lesbar ist der folgende Plan, der allerdings gesüdet ist (während alle anderen Pläne hier ordentlich genordet wiedergegeben werden):

Plan Übungspl.Der Plan zeigt uns diverse Details, die in diesem PDF gut lesbar sind. Man findet wieder die „Mittellinie“ aus dem Plan weiter oben, eingetragen sind aber auch andere Schusslinien. Geschossen wurde von diversen Kanonenhügeln und von einer natürlichen Düne im Nordosten des Gebietes, dem sogenannten „Chimborazo“. Sie ragte etwa 16m aus dem Gelände und diente später August Euler als Startrampe für einige seiner Flugübungen. In der Karte sind auch diverse technische Einrichtungen des  Schießplatzes wie eine Fernsprechleitung und einige Teiche (Löschwasser ?) eingetragen.

Die Einschläge der Geschosse wurden natürlich beobachtet, um den Erfolg der Schützen zu kontrollieren. Wichtigster Beobachtungspunkt war eine ebenfalls natürlich entstandene Düne: Der Hegelsberg. Er lag südlich der Sterngasse und wurde zugunsten der Hegelsberghalle und der Schillerschule abgetragen.

Interessant in der Karte ist auch die Bezeichnung der Barackenbauten entlang der heutigen Lilienthalstraße: Südlich lagen die Preußischen Bauten, nördlich die Württembergischen. Das deutsche Militär war damals trotz der Gründung des Deutschen Reiches 1871 immer noch föderal strukturiert und gem. der Gliedstaaten des Reiches aufgeteilt. Ein eigenes hessisches Militär gab es allerdings nicht. Hessen hatte 1866 im „Deutschen Krieg“ an der Seite Österreichs gegen Preußen gekämpft und musste seine Truppen nach der Niederlage bereits vor 1871 in die siegreichen preußischen Verbände eingliedern.

Auch während des Ersten Weltkrieges blieb der Schießplatz in Betrieb. Eine Karte zeigt uns die damals erweiterten Flächen des Schießplatzes:

schiessplatz 1918Rosa eingetragen ist das damalige Schussfeld. Vermutlich geben die Buchstaben A-D den Zielbereich wieder (?). Er lag nun westlich der Straße von Griesheim nach Eschollbrücken, etwa dort wo heute der Böllenhof steht. Eingetragen ist das Kriegsgefangenenlager im Bereich der heutigen Draustraße. Es lag in der Sicherheitszone. Genaueres können Sie in diesem PDF erkennen, zum Beispiel auch die eingetragene Eisenbahntrasse vom Darmstädter Hauptbahnhof in den Lagerbereich.

Vielleicht zeigt obige Karte aber auch schon die Übungsfläche nach dem Ersten Weltkrieg, als das Kriegsgefangenenlager schon geräumt war, man aber keine aktuelle Karte als Grundlage angefertigt hatte. Die französischen Besatzungssoldaten nutzen den Übungsplatz ab 1918 nämlich weiter.

Karte1920erJahreEine Karte aus dieser Zeit zeigt, dass das Schussfeld nochmals erweitert wurde. Die Sperrzone reichte nun bis an den Ortsrand von Wolfskehlen, Goddelau und Crumstadt.

Mit dem Abzug der Franzosen endete wohl auch die Nutzung als Artillerieübungsplatz. Ab Anfang der 1930er Jahren wurde der Platz nun hauptsächlich für die Flugzeugforschung verwendet, bevor der dann wieder in die Logistik des Krieges eingebunden wurde.

Die ganze Geschichte des Griesheimer Sandes können Sie übrigens hier nochmal nachlesen.

Quelle aller Karten: Stadtarchiv Griesheim

3 Gedanken zu „Der Schießplatz“

  1. Auf dem Plan von ca. 1900 sieht man genau den Verlauf der „Fernmeldeleitung“. Die erkennt man m.E. auch als gepunktete Linie auf dem Lagerplan von 1905. Zudem gibt es den Vermerk „Anm. rot ist vorhenden Leitung, grün soll verlegt werden. x sind Straßenlaternen“. Schade, dasss der Scan nicht farbig ist.

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