Deutschlands ältester: Der August-Euler-Flugplatz

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Der August-Euler-Flugplatz im Südosten von Griesheim ist der älteste deutsche Flugplatz. Der Vertrag, der letztendlich den Flugbetrieb erlaubte, datiert auf den 30.1.1909.

Die Geschichte des Flugplatzes steht auf der einen Seite in enger Beziehung mit dem Schießplatz im Griesheimer Südosten, auf der anderen Seite spielt eine Person die wesentliche Rolle: August Euler.

August Euler stammte aus Oelde in Westfalen, wo er 1868 geboren wurde. Er wuchs in einer Zeit auf, in der sich Technik und Gesellschaft in rasanter Geschwindigkeit entwickelten und er hatte ganz offensichtlich die Gabe, am Puls der Zeit zu sein. Als Kaufmann handelte er mit der damalig modernsten Technologie. Er verkaufte Schreibmaschinen, Fahrräder und Nähmaschinen. 1903 gründete er in Frankfurt am Main die Firma Auto-Euler, die mit Bauteilen für Automobile und Motorboote handelte.

Auch in seiner Freizeit ließ die Begeisterung für die Technik Euler nicht los: Er betätigte sich als Radrennfahrer und nahm auch erfolgreich an Autorennen teil. Natürlich dienten diese Betätigungen auch als Werbung für die Produkte, die er verkaufen wollte.

Reisen für seine Firma und zu seinen Rennen führten ihn regelmäßig nach Frankreich, dass damals im Bereich der Flugzeugentwicklungen schon wesentlich weiter war als Deutschland. 1908 schloß er mit der Firma Voisin einen Vertrag ab, der ihm einen Lizenznachbau der französischen Flugzeuge erlaubte. Im gleichen Jahr gründete Euler die „Euler-Werke für Flugzeugbau“, wie seine Firma Auto-Euler ebenfalls in Frankfurt angesiedelt. Allerdings konnte er von der Stadt Frankfurt keine geeigneten Flächen für seine geplante Fabrik erhalten. Er benötigte neben Montagehallen auch ein Flugfeld zur Erprobung der Maschinen.

Er musste daher außerhalb der Stadt nach Möglichkeiten suchen. Eine Lösung ergab sich durch den Zufall, dass er in Frankfurt in der Nachbarschaft des Oberst Ilse wohnte, der Standortkommandant des Griesheimer Schießplatzes war. Euler konnte erreichen, dass er einen Teil des dortigen militärischen Geländes pachten durfte. Ende 1908 wurde dazu ein Antrag an das Kriegsministerium gestellt, der schon drei Wochen später genehmigt wurde. Am 30.1.1909 wurde dann der schon ganz oben erwähnte Vertrag zwischen Euler und dem Ministerium abgeschlossen.

Euler ließ im Osten des Schießplatzgebietes eine hölzerne Halle errichten, die im Inneren stützenfrei war. Sie maß 35 x 15m Grundfläche. Direkt an die Halle angebaut war sein Wohnhaus, das auch Räumlichkeiten für die Verwaltung aufnahm. Auf dem Titelbild (Quelle: Stadtarchiv Griesheim) oben kann man Halle und Anbau gut erkennen. In der Halle fand die Endmontage der Flugzeuge statt, während die Vorstufen in Frankfurt gefertigt wurden.

Der Griesheimer Sand bot gute Voraussetzungen für den angeschlossenen Flugbetrieb. Euler führte dort zahlreiche Flugversuche mit den französischen Maschinen durch und entwickelte diese weiter. Durch die Abgeschiedenheit in der für die Öffentlichkeit gesperrten Militärfläche war er dabei ungestört. Der Sandboden, der sich bei Sonnenschein schnell aufwärmt, sorgte für eine gute Thermik durch aufsteigende Luft. Eine natürliche Düne im Osten des Geländes, die (warum auch immer) Chimboruzo genannt wurde, diente mit ihren fast 40m Höhe als Startrampe. Die Düne wurde beim Bau der Autobahn in den 1930er Jahren abgetragen und ist heute verschwunden. Auf historischen Karten ist sie aber noch verzeichnet.

Neben seinen Flugversuchen und dem Flugzeugbau betrieb Euler noch eine Flugschule. Geschäftstüchtig, wie er war, hatte er erkannt, dass sich seine Flugzeuge noch besser verkaufen ließen, wenn man die Handhabung der Maschinen gleich mit dem Kauf erklärte.

August Euler erwarb übrigens auf dem Flugplatz, der erst viel später offiziell nach ihm benannt wurde, den ersten offiziellen Flugschein Deutschlands.

1911 konnte er für seine Euler-Werke dann doch ein Gelände in Frankfurt erhalten. 1912 verkaufte Euler daher seine Anlagen in Griesheim an die Militärverwaltung und verlagerte die ganze Produktion an den Main. Damit endete das erste Kapitel der Fliegerei in Griesheim. Der Flugplatz blieb allerdings in Betrieb – mehr dazu im nächsten Artikel.

Viel mehr Infos finden Sie in dem unten genannten Buch!


Quellen: Ursula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt, Justus-von-Liebig-Verlag, Darmstadt, 2008. Der Titel bezieht sich darauf, dass der Flugplatz heute auf Darmstädter Gemarkung liegt. Bis 1937 war das ganze Gebiet jedoch zu Griesheim gehörig.

An die Geschichte der Fliegerei in Griesheim möchte auch das im Aufbau befindliche August-Euler-Museum erinnern. Mehr Infos finden Sie hier: www.august-euler-museum.de

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