Geschichte des Platzes Bar-le-Duc

Endstation Platz Bar-le-Duc in Griesheim

Der Platz Barl-le-Duc ist neben dem Hans-Karl-Platz, dem Georg-Schüler-Platz und dem Rathausplatz eine der großen Freiflächen der Griesheimer Innenstadt. Gleichzeitig stellt er als Endstation von den beiden Straßenbahnlinien und den drei Buslinien, die Griesheim ansteuern, den wichtigsten Punkt für den öffentlichen Nahverkehr der Stadt dar. Außerdem stellt er das Bindeglied zwischen der Innenstadt im Osten und der Altstadt im Westen und Norden des Platzes dar. Den Platz gibt es in dieser Form allerdings erst seit den 1970er Jahren.

SANYO DIGITAL CAMERA
Das Kochschulhaus

Damals schuf man die Wendeschleife für die Straßenbahn. Zuvor war die Fläche Standort von zahlreichen Schulgebäuden, von denen heute noch das Kochschulhaus und die Horst-Schmidt-Halle übrig sind, bestanden. Das ursprüngliche Hauptgebäude ist allerdings verschwunden, die Griesheimer kannten es als „Alte Schule“.

Die „Alte Schule“ war ein klassizistisches Gebäude und wurde 1829/30 von der Gemeinde Griesheim errichtet. Der klassizistische Stil war der damals im Großherzogtum Hessen und den meisten anderen europäischen und amerikanischen Staaten vorherrschende Stil für öffentliche Bauten. Nach den radikalen geistigen und gesellschaftlichen Umwälzungen zur Zeit der Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert (Amerikanische und französische Revolution) wurde diese Entwicklung auch in der Architektur sichtbar. Der Klassizismus nahm Bezug zur griechischen und römischen Architektur, einer Epoche, die damals als Vorbild verklärt wurde. Man ergänzte die alten Elemente durch die Neigung zu klaren und einfachen Baukörpern.

Bedeutendster Vertreter des neuen Baustiles in Hessen war der Architekt Georg Moller, der selbst einige wichtige Bauten schuf (Langer Ludwig und Kuppelkirche in Darmstadt, Stadttheater in Mainz und den heutigen Wiesbadener Landtag). Über die von ihm geleiteten Baubehörden in Hessen und die von ihm begründete Architekturschule mit zahlreichen bedeutenden Schülern verbreitete sich der „Mollerstil“ im ganzen Land. Die gesellschaftlichen Umwälzungen brachten auch neue Bauaufgaben: Neben Rathäusern und Kirchen entstanden nun auch Theater, Museen und vor allem Schulen. War die Bildung vorher ein eher stiefmütterlich behandeltes Thema, verfolgte nun der Staat selbst das Ziel, allen Bevölkerungsschichten zumindest eine Basisbildung zukommen zu lassen. Umsetzen mußten dies die Gemeinden, und so kam auch Griesheim zu seinem ersten öffentlichen Gebäude nach dem Rathaus und der Kirche sehr viele Jahre zuvor.

IMG_7400
Modell der „Alten Schule“, erhältlich im Griesheimer Museum

Das zweigeschossige kubische Gebäude mit Walmdach stand auf der Ecke von Groß-Gerauer-Straße und Wilhelm-Leuschner-Straße. Ursprünglich zwei Eingänge waren für Jungen und für Mädchen vorgesehen. Generationen von Griesheimern gingen hier oder in den später geschaffenen Gebäuden zur Schule. Von 1900 bis 1953 war schließlich im Gebäude die Griesheimer Gemeindeverwaltung untergebracht. Nach dem Abbruch der Alten Schule 1973 wurden zumindest Teile des Glockenturmes gerettet und auf dem heutigen Rathaus stark verändert wiederaufgebaut. Originalfassade, Dach und Konstruktion gingen dabei verloren, auch die Ziffernblätter wurden nicht mehr verwendet. Lediglich die Glocken zogen mit um auf das neue Rathaus.

Eines der Originalziffernblätter ist in der Remise im Griesheimer Museum zu sehen.

Der Abbruch war nötig, um die Wendeschleife der Straßenbahn im Bereich des Schulgeländes errichten zu können, da die modernen Straßenbahnen ab den 1960er Jahren nur noch Einrichtungsfahrzeuge waren. Ohne die Schleife hätte eine Stilllegung der Bahn ab der Wagenhalle gedroht. Leider ist heute immer noch spürbar, daß der Platz Bar-le-Duc seine Entstehung ausschließlich technischen Gründen verdankt. In erster Linie ist eine Verkehrsanlage mit Betriebselementen und (Rest-) Grünflächen entstanden.

SANYO DIGITAL CAMERA
Die 2011/12 neu gestaltete Bachanlage

Die Umgestaltung 2011 hat zwar deutliche technische Verbesserungen gebracht: Die Haltestelle wurde barrierefrei und die Busspur und das neue zweite Gleis sorgen für einen störungsfreieren Betriebsablauf. Die massiven und sehr dicht gesetzten Masten und zahlreichen Drängelgitter (warum gibt es die eigentlich? Auf dem Luisenplatz sind doch auch keine…) wirken sich jedoch nachteilig auf die Gestaltung und die Aufenthaltsqualität aus, die mit der Einrichtung eines Bistrocafés und einer kleinen Bachanlage eigentlich angestrebt wurde.

IMG_1415.2015-08-18_170443
Bar-le-Duc: Die Kirche Saint-Étienne in der Oberstadt

Der neue Platz wurde nach  der Griesheimer Partnerstadt Bar-le-Duc in Frankreich benannt. Die Hauptstadt des Départements Meuse in Lothringen mit 15.000 Ew. Liegt am Fluß Ornain und beherbergt eine historische Altstadt mit bedeutenden Baudenkmälern und ist seit 1975 mit Griesheim verschwistert. 2015 wird das 40jährige Jubiläum der Verschwisterung begangen.

9 Gedanken zu „Geschichte des Platzes Bar-le-Duc“

  1. Pingback: 2019
  2. Pingback: cleantalkorg2.ru
  3. Pingback: #macron #Lassalle
  4. Pingback: a2019-2020
  5. Pingback: facebook
  6. Pingback: facebook1
  7. Pingback: javsearch.mobi

Schreibe einen Kommentar