Griesheim ist Punkt 2 von Hessen

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Die Chaussee verläuft schnurgerade von Griesheim nach Darmstadt. Warum das so ist, können Sie hier nochmal nachlesen.

So eine lange Gerade bringt einige Nachteile: Die Autos fahren tendenziell zu schnell und das Stadtbild wird schnell etwas eintönig. Dabei bietet die Gerade aber auch viele Vorteile: Die Radreifen der Straßenbahnen nutzen sich mangels Kurven weniger ab, man verfährt sich weniger leicht und für die hessische Landesvermessung war die Chaussee ein Glücksfall.

Im Jahr 1808 begann die systematische Vermessung des Landes Hessen. Zwar gibt es aus der Zeit davor schon einige Landkarten, die recht genau waren. Bei genauerer Betrachtung stellte man aber fest, dass für die damals gestiegenen Anforderungen dieser Standard nicht mehr ausreichte. Nach den Napoleonischen Kriegen war die deutsche Kleinstaaterei einigermaßen verschwunden. Das 1806 neu entstandene Großherzogtum Hessen wurde ein moderner Flächenstaat, in dem gleiche Standards (Währung, Maßeinheiten, Gesetze) überall durchgesetzt werden sollten. Dazu gehörte natürlich auch ein modernes Straßennetz. Unter anderem um dieses zu ermöglichen (und dann später auch den Eisenbahnbau, an den 1808 natürlich noch niemand dachte) war eine vollkommene Neuvermessung Hessens nötig.

Zur Landvermessung bedient man sich der Gesetze, die Dreiecken so innewohnen. Durch die Kenntnis der Länge aller drei Seiten kennt man auch die Winkel der Ecken. Und wenn man zwei der Ecken genau verortet, dann hat man ein genau definiertes Dreieck. Von diesem ausgehend, kann man die weitere Vermessung des Landes starten, wieder über Dreiecke, die auf dem ersten Dreieck gründen.

Beginnen muss man die Vermessung aber mit den beiden bekannten Punkten des ersten Dreiecks. Die Verbindung der beiden Punkte bildet die Basisgerade. Als Punkt 1 wählte man die Spitze der Darmstädter Stadtkirche. Diese ist die Hauptkirche der Stadt und Darmstadt war damals die Hauptstadt von Hessen. Warum Punkt 1 so gewählt wurde ist also klar.

Als Punkt 2 wählte man aber die Spitze der Griesheimer Kirche, die wir heute als Lutherkirche kennen. Warum Griesheim gewählt wurde, hatte einen einfachen Grund: Durch die Chaussee, also die Wilhelm-Leuschner-Straße in Griesheim bzw. die Rheinstraße in Darmstadt waren beide Orte über eine ca. 6,5 Kilometer lange Achse verbunden. Hier bestand damals ohne die heute im Weg befindliche Autobahnzufahrt (A672) noch freie Sicht. Über Hilfsmessungen entlang der Straße konnte dann die erste Basisstrecke von der Stadtkirche zur Lutherkirche eingemessen werden.

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Gedenkplakette vor dem Darmstädter Schloss

Der Punkt an dem mit den Vermessungen begonnen wurde, ist deshalb auch nicht die Stadtkirche, sondern eine Stelle vor dem Darmstädter Schloß. Hier findet man heute eine Markierung im Pflaster des Ernst-Ludwig-Platzes.

Viel mehr Informationen zur Vermessungsgeschichte an sich und zur Vermessung von Griesheim finden Sie aber hier. BITTE nutzen Sie diesen Link und klicken Sie hier hin.

Der Link führt Sie zu einem Vortrag, der von Klaus Rohmig vom Griesheimer Vermessungsbüro Müller vor einigen Jahren im Griesheimer Museum gehalten wurde. Das Büro Müller war so freundlich und hat mir erlaubt, den Link zu erstellen. Ich weiß, das Sie, sehr verehrte Leser, meine Linkangebote nicht so umfangreich nutzen. Machen Sie aber bitte hier einmal eine Ausnahme. Es lohnt sich.

3 Gedanken zu „Griesheim ist Punkt 2 von Hessen“

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