Historische Leberflecken

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Bei der Suche nach Spuren nach der vergessenen Eisenbahnstrecke nach Sankt Stephan haben Manfred Alvarez Hernandez und ich noch eine weitere kleine Entdeckung gemacht: Einen Hinweis auf einen historischen Vorläufer der sogenannten „Leberflecken“, die Verkehrsinseln im Verlauf der Wilhelm-Leuschner-Straße in Griesheim.

Im Verlauf der Bergschneise, die im Darmstädter Westwald von Süden nach Norden führt, ist folgendes Schild zu sehen:

IMG_0733Was ist das überhaupt, ein Bassin? Wikipedia definiert dies wie folgt: „Ein Bassin (französisch, Aussprache: [baˈsɛ̃]) ist ein künstlich angelegtes Wasserbecken. Es wird unter anderem in der geometrischen Gartenkunst verwendet, da es im Gegensatz zum künstlichen See nur aus geometrischen Basisformen (z. B.: Rechteck, Kreis, Ellipse) oder deren Kombination (z. B.: Rechteck mit aufgesetztem Halbkreis) besteht.

Ein Bassin, ein Element der Gartenbaukunst, mitten im Wald? Um dieses Rätsel zu lösen, muss man die Bergschneise weiter nach Norden verfolgen. Sie trifft nämlich dort auf die Rheinstraße, die als B26 Darmstadt mit Griesheim verbindet.

Über die Entstehung der Rheinstraße lesen Sie bitte hier noch einmal etwas nach. Im Text hatte ich bereits geschrieben, dass die Rheinstraße ursprünglich neben der Funktion als Überlandverbindung auch als barocke Promenade diente. Und so eine Promenade musste natürlich auch mit Attraktionen ausgestattet werden. Ein Blick in eine historische Karte hilft uns hier weiter:

topokarte1850Tatsächlich ist ein „Bassin“ im Zuge der später so genannten B26 eingetragen. Es liegt genau an der Kreuzung der Rheinstraße mit der Bergschneise. Weil das Bassin in der oberen Karte schlecht zu sehen ist, sehen Sie hier eine Vergrößerung (zugegeben etwas unscharf):

Wie das Bassin allerdings aussah, und was die südlich davon eingezeichnete „Fortunaburg“ war, das verrät uns die Karte leider nicht. Auch zunächst unbeantwortet muss die Frage bleiben, wie das Bassin mit Wasser versorgt wurde. Vielleicht spielen hier die Wasserquellen eine Rolle, auf die verschiedene Schriftquellen und alte Landkarten Hinweise geben.

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Reste eines Bassins im Braunshardter Schlosspark (vor der Renovierung). Möglicherweise kag das Bassin im Zuge der Rheinstraße auch in Mitten des Weges.

Übrigens waren im Zeitalter des Barock, aus dem das Bassin wohl stammt, Leberflecken schwer in Mode. Wer nicht das Glück besaß, einen natürlichen Leberfleck an exponierter Lage im Gesicht zu haben, half eben etwas nach: Er positionierte Schönheitspflaster auf der Haut, die im französischen als Mouches bezeichnet wurden. Den Wikipediaartikel dazu mit weiteren Infos finden Sie hier.

Die eingangs erwähnten Leberflecken in Griesheim haben mit dem Bassin also nur Ihre Lage in mitten des Hauptstraßenzuges gemeinsam. Mit den barocken Schönheitsidealen haben sie dagegen keine Gemeinsamkeiten: Sie sind benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister Norbert Leber, in dessen Amtszeit die Verkehrsinseln zur Verkehrsberuhigung installiert wurden.


Weitere Infos lesen Sie bitte hier. Beachten Sie auch die Kommentare unten im Anhang.