Das Bassin zwischen Griesheim und Darmstadt

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Mein vorletzter Artikel über die Leberflecken hat bei Ihnen, verehrte Leser, einiges an Interesse geweckt. Über 350 mal ist der Artikel gelesen worden. Und glücklicherweise sind mir noch weitere Infos über das Bassin mit Springbrunnen, dass sich Anfang des 19. Jahrhunderts zwischen Griesheim und Darmstadt befand, zugetragen worden.

Großen Dank schulde ich Frau Brigitte Fuchs aus Griesheim, die mich auf ein im Internet lesbares, bei google-books veröffentlichtes Buch hingewiesen hat. Dort findet sich eine schöne Beschreibung des Bassins und seine Umgebung.

Die genaue Quellenangabe lautet: Heinrich Zehfuß, Großherzogl. hessischer Hofkammerregistrator: Alterthümlichkeiten der Residenz Darmstadt nebst einem Anhange für Reisende in die Bergstraße und den Odenwald, Darmstadt 1822, Seite 177

Herr Zehfuß schrieb vor fast 200 Jahren:

Die Lindenallee.

Die von dem Rheinthore nach der Tanne hinziehende Lindenallee, oder wie Pauli pag. 19 in seinem „Darmstadt 1815“ sagt, Kastanienalle, ist unter Ludwig VIII. angelegt worden. Diese Allee ging früher bis an das neue Thor am Louisenplatz, mußte aber bis an das nunmehrige Rheinthor der neuen Stadtanlage weichen. Unter dem kühlenden Schatten dieser großen Bäume ist sie im Sommer eine herrliche Promenade.

Wenn man den Weg durch die Tanne verfolgt, so findet man in der Mitte desselben auf beiden Seiten einen mit Hainbuchenhecken bepflanzten Halbzirkel, wo vor noch nicht langer Zeit unter Kastanienbäumen Bänke standen. In der Mitte des Wegs befindet sich eine Niederung, wo früher ein Springbrunnen angelegt war, damit das Wild immer frisches Wasser hätte; alleine es dauerte nicht lange, so ließ man von diesem Vorhaben ab, indem aus Mangel an Wasser derselbe nicht lange bestand. Im Munde des Volkes heißt dieser Ort noch heute das Bassin. Vor ungefähr 24 Jahren stand linker Hand in der Tanne, gegen 50 Schritte vom Bassin, ein Jägerhäuschen, die Fortunaburg genannt.

Das gesamte Buch finden Sie bei google-books unter diesem Link.

Mit der Lindenallee, bzw. der Kastanienalle, ist die heutige B26 gemeint, die in Darmstadt Rheinstraße heißt und in Griesheim Wilhelm-Leuschner-Straße.

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Letzte Reste des Rheintores: die beiden ionisierenden Säulen vor dem Portikus der Kunsthalle waren früher Teil eines Vorbaus eines Wachhäuschens. Ein ähnlicher Bau stand gespiegelt auf der anderen Straßenseite.

Das Rheintor war das westliche Zolltor von Darmstadt. Es befand sich an der Stelle der Kunsthalle am Steubenplatz. Vor der Kunsthalle ist noch ein baulicher Rest der Toranlage in Form einiger klassizistischer Säulen erhalten.

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Das Rheintor heute: links ist der Rest der historischen Toranlage zu sehen. Beim Wiederaufbau der Stadt Darmstadt nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden hohen Wohnhäuser links und rechts der Rheinstraße geplant. Sie schnüren zum ersten Mal (von Westen kommend) die Straße ein und bilden so eine Art Stadttor. Westlich davon liegen alle Bauten entlang der Rheinstraße hinter Grünzonen, östlich stehen die Bauten direkt an der Straße. Die historische Situation mit einer spürbaren Zäsur zwischen „innerhalb-der-Stadt“ und „außerhalb-der-Stadt“ konnte so erhalten bleiben. Ich finde das gut!

Die „Tanne“ bezeichnet den Wald zwischen Griesheim und Darmstadt. Von diesem Name leitet sich auch die „Siedlung Tann“ ab, die früher einmal zu Griesheim gehörte und seit 1937 zu Darmstadt.

Das Zitat klärt auch die im vorletzten Artikel aufgeworfene Frage, was den wohl die Fortunaburg sei.

Als Zweites möchte ich in diesem Artikel auf die Seiten von Kristof Doffing hinweisen. Hier finden Sie zahlreiche alte Landkarten von Südhessen und der Darmstädter Umgebung (Link).

Herr Doffing hat hier eine historische Karte auf eine aktuelle projiziert. Sie werden so nicht nur das Bassin im Verlauf der B26 finden, sondern auch einen spannenden Vergleich zwischen dem historischen und dem aktuellen Griesheim (und auch von Darmstadt).

Einen ebenfalls ziemlich spannenden Plan der „Tanne“ finden Sie hier. Der Plan ist gewestet, weder Darmstadt noch Griesheim sind leider zu sehen. Darmstadt müssen Sie sich am unteren Bildrand vorstellen, Griesheim oben. Rechts kann man aber rot eingetragen den Gehaborner Hof sehen. Die Rheinstraße / B26 verläuft von oben nach unten unter dem Textfeld und ist als „Breite Allee“ beschriftet. Wer genau hinschaut, kann das Bassin entdecken, bei dem sogar der Springbrunnen eingetragen ist. Nutzen Sie die Links, es lohnt sich wirlich!

 

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