Karoline und Friedrich – Stationen der Liebe

Die vor einigen Tagen hier gezeigte Liebesgeschichte von Karoline Seitz und Prinz Friedrich wirkt märchenhaft, dabei hat sich das Ganze tatsächlich so zugetragen. Die Orte der Handlung kann man heute noch besichtigen, viele Schauplätze sind noch erhalten, andere verändert.

Die Geschichte begann ja auf dem Darmstädter Marktplatz – den gibt es natürlich noch. Auch einige Bauwerke am Platz, wie das Schloss oder das alte Rathaus stehen noch. Alle anderen Gebäude wurden jedoch verändert, meist durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg.

Der Nordwesten des Darmstädter Marktplatzes: Standort des Kaufhauses Henschel.

Für das Marktpalais, an dessen Tor in der Geschichte Friedrich von einem Schneeball getroffen wird, gilt das allerdings nicht. Es wurde schon im 19. Jahrhundert als fürstlicher Wohnsitz aufgegeben, in Wohnungen aufgeteilt und schließlich in Abschnitten verkauft. Zunächst wurde die nördliche Hälfte abgebrochen und in zwei Bauabschnitten 1908 und 1914 durch ein Kaufhaus ersetzt, dessen Fassade größtenteils heute noch erhalten ist. Die südliche Hälfte des Palais blieb als Wohn- und Geschäftshaus bis zur Zerstörung im Krieg erhalten und wurde danach durch einen Neubau ersetzt.

Dass Marktpalais besaß einen Innenhof, der sich urspünglich nach Westen zu einer Gartenanlage hin öffnete, und dort durch eine reich geschmückte Toranlage abgeschlossen wurde. Diese ist als letzter Rest des Marktpalais erhalten, da sie 1850 an den Nordrand der Orangerie in Bessungen versetzt wurde. Dort, am Ende der Orangerieallee ist das Architekturfragment noch heute vorhanden. Aus dem Innenhof des Marktpalais entwickelte sich ein öffentlicher Durchgang, der heute den Marktplatz mit der Ernst-Ludwig-Straße verbindet.

Lutherkirche Griesheim

Die alte Dorfkirche von Griesheim, heute Lutherkirche genannt, ist am Westrand des Ortes bis heute erhalten. Das äußere Erscheinungsbild entspricht in weiten Teilen dem Bild, das sich Karoline und Friedrich bei ihrer Hochzeit geboten haben dürfte. Spätere Zutaten sind lediglich das Vordach am Haupteingang, ein Denkmal an der Südfassade und natürlich die Außenbeleuchtung.

Im Inneren wurde die Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark verändert. Vor allem im Altarbereich wurden alle Einbauten in den Raum entfernt und die Gestaltung insgesamt stark vereinfacht. Die von Innen und Außen sichtbaren gotischen Fenstermaßwerke sind jedoch immer noch erhalten.

Das ehem. Griesheimer Forsthaus in der Darmstädter Straße

Auch das alte Griesheimer Forsthaus ist noch erhalten. Es steht in der westlichen Darmstädter Straße, kurz vor der Einmündung in den Jean-Bernard-Platz (Kreuz). Über Jahrhunderte lag hier der östliche (!) Ortsrand. Historische Texte, die beschreiben, dass der Wald ursprünglich bis hier an das Haus gereicht hätte, stimmen nicht. Alle erhaltenen Karten von Griesheim zeigen, dass der Waldrand ursprünglich sogar deutlich weiter östlich lag und der heutige Stadtwald erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde. Trotz seiner geschichtlichen Bedeutung für Griesheim steht das Gebäude, wie so viele andere bauliche Zeugen der Stadtgeschichte, nicht unter Denkmalschutz. Gegenüber seinem ursprünglichen Zustand wurde es innen und außen stark verändert.

Das Wappenschild, das urspünglich am Griesheimer Forsthaus angebracht war, befindet sich heute im dortigen Museum.

Über dem Eingang des Forsthauses befand sich ursprünglich ein Wappenschild, dass den Hessenlöwen und die Jahreszahl 1743 zeigt. Es wurde bei Umbaumaßnahmen am Forsthaus abgenommen und gelangte viel später in das Griesheimer Museum, wo es heute noch zu sehen ist.

Groß-Gerau, Mainzer Straße 11 (Prinzenhaus oder Küchler´sches Haus)

Auch der Wohnsitz von Karoline und Friedrich in Groß-Gerau ist erhalten. Das dort als Küchler´sches Haus steht in der Mainzer Straße 11 und wurde in den letzten Jahren umfassend saniert. Im Dehio wird wird es als Prinzenhaus bezeichnet. Es wurde 1749-50 von einem Frankfurter Baumeister für die Witwe des Hofrates Kinckel erbaut und später von Prinz Friedrich erworben. Ein besonderer Bauschmuck ist die Rokokovase auf der Giebelspitze des Zwerchhauses.

Das Grabmal von Karoline und Friedrich auf dem Griesheimer Kirchhof ist bis heute erhalten. In der Grabstätte wurde auch der Sohn der beiden, Friedrich Ferdinand, bestattet. Während der gesamte Bereich, inklusive des heutigen Kindergartengeländes und des westlich angrenzenden Spielplatzes als Friedhof gedient hatte, sind heute, bis auf eben jenes Denkmal, alle Hinweise auf den Friedhof verschwunden.

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