Kleine Feuerwehrgeschichte

An diesem Wochenende (1.+2. September 2018) findet am Feuerwehrhaus in der Goethestraße der „Tag der Feuerwehr“ statt. Anlass genug, einmal kurz die Geschichte der Brandbekämpfung in Griesheim (und der restlichen Welt) zusammenzufassen.

Wo entstand die erste Feuerwehr?

Die erste Berufsfeuerwehr im heutigen Sinne entstand wohl 1686 in Wien. Eine Quelle berichtet von der Entlohnung vierer Feuerknechte.

Wann entstand die erste Freiwillige Feuerwehr Deutschlands?

Um diese Ehre streiten sich mehrere noch bestehende Feuerwehren. Die älteste Einrichtung, deren Gründungsdatum bekannt ist, ist die Feuerwehr Saarlouis, die 1811 entstand. Allerdings gehörte die Stadt zu diesem Zeitpunkt zu Frankreich.

Gab es vor dem 19. Jahrhundert keine Brandbekämpfung?

Natürlich gab es die. Es ist belegt, dass die Stadt Rom ab dem Jahr 21. v. Chr. eine Feuerwehreinheit (vigiles) besaß, die zunächst hauptsächlich aus Sklaven bestand. Auch andere Städte im Römischen Reich folgten dem Beispiel der Hauptstadt und richteten ähnliche Einheiten ein.

Und im Mittelalter?

Das oberste, mit Pilasterfassade geschmückte Geschoss des Turmes der Darmstädter Stadtkirche beherbergte einst die Türmerwohnung. Eine der Aufgaben des Türmers war die Brandwache.

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches begann eine Epoche, in der viele technischen Errungenschaften verloren ging. Auch das System der staatlichen Brandbekämpfung wurde nicht fortgeführt. Stattdessen war dies Sache der Menschen selbst. Wer Bürger einer Stadt werden wollte, musste unter anderem nachweisen, dass er einen Ledereimer besaß. Damit wurden dann Menschenketten gebildet, die das Wasser zu der Brandstelle transportieren konnten. Ohne übergeordnete Organisation war das System aber wenig effektiv, sodass das Abrennen ganzer Städte an der Tagesordnung war.

Später wurde dieses System wenigstens durch eine offizielle Brandwache ergänzt. In den Kirchtürmen wurden Türmerwohnungen eingerichtet, von denen aus permanent die Städte überwacht werden konnten.

Wann entstand der Begriff Feuerwehr ?

Der Begriff Feuerwehr ist gar nicht so alt. Er taucht zum ersten Mal  im Jahr 1847 in Karlsruhe auf und bezeichnete die bis dato als Pompiers-Corps bezeichnete Brandbekämpfungseinheit der Stadt als freiwilliges Feuerwehr-Corps.

Das dieser Begriff Mitte des 19. Jahrhunderts auftaucht, ist nicht verwunderlich. Denn in diesem Jahrhundert entstanden in den meisten größeren Orten in Deutschland freiwillige Feuerwehren oder Berufsfeuerwehren. Die fortschreitende Technik und die anwachsende Bevölkerung machten es nötig, geeignete Maßnahmen zu treffen um Brände wirksam und organisiert bekämpfen zu können. Neue Werkzeuge wie Pumpen und Schläuche erleichterten dabei die Arbeit. Diese Werkzeuge mussten aber zentral vorgehalten werden, was die Einrichtung von Brandbekämpfungseinheiten und den Bau von Spritzenhäusern, später Gerätehäusern, erforderlich machte. Im ländlichen Raum wurden viele Feuerwehren erst in den 1930er Jahren gegründet.

In den Niederlanden heißt die Feuerwehr „Brandweer“. Hier ein historisches Fahrzeug aus Enkhuizen am Ijsselmeer.

Freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehren

In Deutschland und in anderen Ländern entwickelte sich ein System aus freiwilligen Feuerwehren und Berufsfeuerwehren. Letztere konnten aus finanziellen Gründen nur in größeren Städten etabliert werden. In kleineren Orten dagegen wurden zunächst die Einwohner eines bestimmten Alters zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Da ein solches Zwangssystem aber immer mit mangelndem Engagement verbunden und damit wenig effektiv ist, führte man schließlich freiwillige Feuerwehren ein. In diesen Einheiten taten Menschen freiwillig und aus Überzeugung den Dienst, wodurch, in Kombination mit der Zurverfügungstellung von ausreichenden Ressourcen für Ausrüstung und Ausbildung, ein wirksames System entstand. Durch die Organisation über lokale Vereine konnte außerdem ein engmaschiges Netz entstehen, das ein relativ schnelles Erreichen der Einsatzstellen ermöglichte.

Übrigens ist ein „Rückfall“ in das System der Pflichtfeuerwehr heute immer noch möglich, sollten bei einer freiwilligen Feuerwehr nicht genügend Einsatzkräfte regelmäßig zur Verfügung stehen. Man muss also allen Aktiven der Feuerwehr dankbar sein, dass sie sich hier zum Wohle Aller mit ihrer Hilfsbereitschaft engangieren.

Hinter dem großen Tor im Erdgeschoss des Griesheimer Rathauses war in früheren Zeiten auch die Ausrüstung der Feuerwehr untergebracht. Auf dem Schild über dem Tor steht „Feuerwehrgeräte“. Quelle: Stadtarchiv Griesheim

Und wie war das in Griesheim?

1849 – Die Griesheimer Feuerlöschordnung legt fest, dass alle Männer bis 35 Jahre zu Feuerwehrdiensten verpflichtet sind.

2. Juli 1883 – Gründung des Feuerwehrvereins.

1892 – Vorübergehend gibt es wieder eine Pflichfeuerwehr.

1904 – Neubau eines Spritzenhauses in der Bahnhofstraße.

1927 – Die zentrale Wasserversorgung löst die vorher problematische Löschwasserversorgung.

Das Gerätehaus auf dem Schulgelände in der Groß-Gerauer-Straße. Quelle: Stadtarchiv Griesheim

1936 – Ein Nebengebäude des Schulkomplexes an der Groß-Gerauer-Straße (heute Kochschulhaus bzw. Platz Bar-le-Duc) wird als Gerätehaus für die Feuerwehr genutzt.

1964 – Neubau des Feuerwehrgerätehauses an der Goethestraße.

1982 – Erweiterung des Feuerwehrhauses

2018 – Das Feuerwehrhaus entspricht nicht mehr den technischen und rechtlichen Anforderungen und muss ersetzt werden.

Infos zu Einsätzen, Technik, Fahrzeugen und vieles mehr finden Sie hier.


Nachwort:

Ich finde die Festlegung aus dem Mittelalter, dass jeder Bürger seinen Beitrag zur Brandbekämpfung leisten hat, gar nicht falsch. Allerdings wäre es heute wenig nützlich, dazu einen Ledereimer vorzuhalten (schadet natürlich auch nicht). Aber stattdessen und viel sinnvoller könnte man ja (passives) Mitglied im Feuerwehrverein werden. Mit seinem Jahresbeitrag (nur 16€ im Jahr!)  kann man die Feuerwehr sinnvoll unterstützen.


Quelle:

Karl Knapp: Griesheim. Von der steinzeitlichen Siedlung zur lebendigen Stadt. Griesheim, 1991.