Flugzeuge – Made in Griesheim

Der Flugzeugbau ist heute der Spitzentechnologie zuzuordnen. Die Branche ist derart komplex und spezialisiert, das es meist internationalen Großkonzernen überlassen bleibt, serienmäßig Flugzeuge herzustellen. Zu Beginn der Luftfahrtgeschichte war es aber noch möglich, so etwas quasi in der Garage zu machen. Ein schönes Beispiel war die Schreinerwerkstatt der Gebrüder Müller in Griesheim. In der 1920er Jahren wurden hier einmotorige Flugzeuge in Serie hergestellt.

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Das Bürgerhaus am Kreuz

Man sieht es dem heutigen Bürgerhaus am Kreuz eigentlich nicht an. Hier war der Firmensitz einer Schreinerei. Es handelte sich um die Firma Gebrüder Müller, die 1889 gegründet wurde.

Als August Euler von 1909 bis 1912 seine Flugzeugfabrik auf dem heutigen Flugplatzgelände betrieb, lieferten die Gebrüder diverse Bauteile. So konnten Erfahrungen in dieser damals völlig neuen Technik gesammelt werden.

Mit dem Wegzug von Euler 1912 und dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1918 endete dieser Geschäftszweig allerdings schon recht bald wieder. Die Siegermächte untersagten Deutschland die motorisierte Fliegerei, auch um den Aufbau einer Luftwaffe zu unterbinden. Erlaubt war allerdings der Bau von Segelflugzeugen, die in den 1920er Jahren von diversen Pionieren erforscht wurden. Die Akaflieg an der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt (heute Technische Universität Darmstadt) waren führend in dem Bereich. Die Gebrüder Müller erhielten deshalb schon bald wieder Aufträge, Komponenten für Segelflugzeuge zu liefern.

1927 wagte die Firma dann den eigenständigen Bau von Flugzeugen. Unter der Marke GMG (= Gebrüder Müller Griesheim) wurden Sportflugzeuge produziert. Die Flugzeuge wurden auf dem Firmengrundstück in der Groß-Gerauer Straße gebaut. Man entwickelte fünf verschiedene Typen, die als GMG I – V bezeichnet wurden. Der bekannte Flieger Johannes Nehring, nachdem eine Straße im Griesheimer Südosten benannt wurde, konnte als Testpilot gewonnen werden. Der Verkaufserfolg hielt sich allerdings in Grenzen. Nur 17 Maschinen fanden einen Käufer.

In der anschließenden Zeit des Nationalsozialismus produzierten die zeitweise bis zu 100 Mitarbeiter deshalb keine ganzen Flugzeuge mehr, sondern lieferten an die Wehrmacht diverse Produkte wie Flugzeugteile, Boote und Munitionskisten. Die Firma bestand noch bis 1990 und stellte zuletzt Türen und Fenster her.

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Einige Flugzeugmodelle im Museum Griesheim.

Fast vor Ort ein paar Schritte weiter in Richtung Süden erinnert ein Teil der Dauerausstellung des Griesheimer Museums an den Flugzeugbau – Made in Griesheim. Leider ist kein einziges der Flugzeuge im Original erhalten geblieben. Anhand von vielen Modellen der Flugzeuge, zahlreichen Fotos und einem originalen Propeller kann man sich jedoch ein gutes Bild von damals machen.  Das Museum hat darüber hinaus Informationen zum Thema Raketenbau, wo sich die Firma Müller ebenfalls engagierte. Ein Besuch des Museums lohnt sich deshalb und natürlich auch wegen vieler anderer Dinge, die es im Museum zu erleben gibt.


Text: Stadt.Land.Sand

Quelle: Museum Griesheim

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