Was Nathanael Bar Tolmai mit der Griesheimer Kerb zu tun hat

Die Lutherkirche
Die Lutherkirche

„Die Griesemer Kerb, die Griesemer Kerb, die Griesmer Kerb ess doo, was seun die Leit so froh, es ess kao Reitschul do.“

Da ist sie nun tatsächlich, die Kerb. Aber warum gerade jetzt?

Kerb oder Kerwe ist hessisch und bedeutet Kirchweih. Ursprünglich feierte man bei diesem Fest das Datum, an dem die Kirche geweiht wurde, also gewissermaßen den Geburtstag der Kirche. In Griesheim findet die Kerb traditionell Ende August statt.

Ende August, genauer gesagt am 24.8. ist der Bartholomäustag. Dies ist in der Evangelischen Kirche ein Gedenktag und in der Katholischen Kirche ein Fest. Er erinnert an die durch zahlreiche Legenden überlieferte Anspülung der Leiche des Apostels Bartholomäus an den Strand der Insel Lipari, nördlich von Sizilien. (Hier drängen sich einem leider sehr aktuelle Bilder auf.)

Nathanael Bar Tolmai lebte im 1. Jahrhundert und war einer der 12 Jünger Jesu. Sein aramäischer Name Bar Tolmai bedeutet Sohn des Tolmai. Er wurde später lateinisiert zu Bartholomäus. Jesus nannte ihn „einen wahren Israeliten ohne Falsch“. Ihm werden zahlreiche Wundertaten nachgesagt. Nach Jesu´ Kreuzigung ging er auf verschiedene Missionsreisen, die ihn sogar bis nach Indien und nach Armenien führten. Dort erlitt er das Martyrium.

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Blick in den Frankfurter Dom

Wie sein Körper dann nach Lipari kam, bleibt schleierhaft. Vermutlich klingt hier die lange Geschichte der Reliquienverehrung nach, die im Mittelalter dazu führte, dass Gräber oder angebliche Gräber von Heiligen geöffnet und die sterblichen Reste in der ganzen christlichen Welt verteilt wurden. Die Hirnschale des Bartholomäus kam zum Beispiel 1238 in den Frankfurter Kaiserdom, der seitdem diesem Heiligen geweiht ist.

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Die Lutherkirche im Winter – als Abkühlung…

Die heutige Lutherkirche, die alte Pfarrkirche des Ortes, war vermutlich ursprünglich ebenfalls dem heiligen Bartholomäus geweiht. Das Datum der Kerb Ende August gibt uns diesen Hinweis. Die Feier zu diesem Zeitpunkt gibt es seit mindestens 1681. Damals wurde ein Umbau des Gebäudes eingeweiht. Mit der Wahl des Datums könnte an ältere Traditionen angeknüpft worden sein, eben zum Beispiel an eine Weihe an Bartolomäus.

Bartholomäus ist übrigens unter anderem der Schutzheilige der Bäcker, der Bergleute, der Buchbinder, der Gerber, der Hirten, der Landleute, der Lederarbeiter und der Metzger, Müller, Schneider, Käsenhändler und der Winzer.

Außerdem ist er der Schutzheilige der Städte Frankfurt am Main, Florenz, Maastricht und Pilsen in Tschechien. In Pilsen wurde übrigens 1842 das erste Bier nach Pilsner Brauart hergestellt. Diese Bierart macht heute einen Großteil des in Deutschland verkauften Bieres aus -vermutlich gilt dies auch auf der Griesheimer Kerb.

Warum es allerdings heißt, es sei keine Reitschul´ da, das habe ich noch nicht verstanden…

2 Gedanken zu „Was Nathanael Bar Tolmai mit der Griesheimer Kerb zu tun hat“

  1. ess kao Reitschul do.“Der Satz muss heise es es eh Reitschul do.
    Der Irtum stammt aus dem Griesheimer Anzeiger.
    Ca. 1973-74 gab es die Duckheimer Kerb.
    Ein Mitarbeiter des Rathauses Herr Duckheim hatte den Kerbtermin verwechsel, und die Schausteller eine Woche zufrüh betellt. Kerbtermin woe Heute.

    Gruß
    Willi Ruppert

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