Eine (fast) echte Turmhügelburg

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Die Turmhügelburg von Lütjenburg

Im letzten Artikel hatte ich ja versprochen, dass wir uns einmal anschauen, wie so eine Turmhügelburg ausgesehen haben mag. Dies ist vor allem deshalb interessant, weil die Griesheimer Burg auch eine solche Burg gewesen sein mag (wenn es sie denn gegeben hat). Und um Ihnen hier nun Bilder zu zeigen hat die Redaktion von stadtlandsand.de keine Kosten und Mühen gescheut, um für Sie, sehr verehrte Leserschaft eine solche (fast) echte Burg zu besuchen!

Im Nordosten von Holstein, auf der Halbinsel Wagrien, liegt die Stadt Lütjenburg. Die Ostsee ist nicht weit, in der Gegend sind also viele Touristen unterwegs, die neben Strand und Städten und jeder Menge Seen auch noch weitere Attraktionen suchen. Man nutzte also die Gelegenheit und rekonstruierte außerhalb der Stadt eine solche Burg. Die Homepage der Burg finden Sie hier.

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Eingangstor der Vorburg

Am Bauplatz hatte es bis dahin keine Spuren einer Burg gegeben. Hätte es diese gegeben, wäre die Rekonstruktion gar nicht möglich gewesen: Eine Rekonstruktion bedeutet natürlich auch immer ein Stück weit eine Zerstörung des Originalbefundes. Aber in der Umgebung gibt es Dutzende Fundstätten solcher Burgen. Und das hat folgenden Grund:

Die Halbinsel Wagrien war nämlich im Mittelalter zunächst slawisch besiedelt worden. Ortsnamen wie Plön (=“die Eisfreie“) oder Lübeck (Liubice = „die Liebliche“ (schöner Stadtname eigentlich)) weisen noch heute darauf hin. Die Franken hatten zuvor Sachsen erobert (das dort lag wo heute Niedersachsen und Westfalen liegen) und drangen weiter nach Norden und Osten vor. In Form der verbündeten Holsteiner, die ursprünglich aus der Nähe von Hamburg stammten (Holstein = Holsten = Holzsassen = Leute aus dem Wald), unterwarfen die Franken auch die Slawen in Wagrien. Die neuen Herren übernahmen den Landbesitz und herrschten von kleinen Herrensitzen aus. Und da die Slawen natürlich nicht so richtig begeistert von der Situation waren mussten diese Landsitze befestigt werden. Ergebnis war die Errichtung von Turmhügelburgen, die jeweils von einem Ritter und seinem Gesinde bewohnt wurden.

Die meisten Turmhügelburgen waren aus Holz errichtet worden. Sie bestanden aus der Kernburg, also dem Turm auf einem künstlichen Erdhügel, der aus dem Aushub eines Ringgrabens bestand. Manche dieser Türme waren bewohnt (einen vergleichbaren Bau sehen Sie hier), andere wurden lediglich im Verteidigungsfall genutzt. In Lütjenburg hat man sich entschieden, letztere Version zu rekonstruieren.

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Nachdem man das Haupttor durchschritten hat steht man in der Vorburg. Links die Scheune, rechts das Gesindehaus, im Hintergrund der Turm.

Zu jeder Burg gehört aber zwingend auch eine Vorburg. Hier spielte sich in Friedenszeiten das Leben ab. Hier waren die Stallungen und Scheunen, Wohnungen des Gesindes, Werkstätten, Lager, Gemüse-, Obst-und Kräutergärten, vielleicht eine Kapelle und ein Friedhof. Im Grunde war so eine Vorburg eigentlich eine Art herrschaftlicher Bauernhof.

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Blick vom Turm zurück auf die Vorburg. Sie ist, wie ein bißchen zu sehen ist, auch leicht befestigt (Erdwall und Palisade). Rechts ist das Haus des Ritters zu sehen.

Wenn der Turm nicht zu Wohnzwecken verwendet wurde, war natürlich auch noch das Wohnhaus des Ritters in der Vorburg zu finden. In Lütjenburg wurde dieses Haus als Fachwerkhaus mit ausgemauerten Feldern rekonstruiert. Die Burg stellt einen Zustand dar, wie man ihn sich um 1250 etwa vorstellen kann.

IMG_8614Die Kernburg ist gegenüber der Vorburg nochmals abgesichert. Im Kriegsfall (wobei man sich hier kein Aufeinandertreffen großer Heere vorstellen darf, sondern regionale Konflikte mit wenigen Teilnehmern) wurde Mensch und Tier im Turm in Sicherheit gebracht.

IMG_8609Der Ringgraben umgab die Kernburg vollständig. Eine Holzbrücke bildete den Übergang. Ein Tor schützte die Brücke im Bereich der Vorburg. In Lütjenburg rekonstruierte man die Anlage nach verschiedenen, auch süddeutschen Vorbildern. Genaueres lesen Sie bitte hier. Aus den Quellen ergab sich der Bau dieser geneigten Brücke.

IMG_6635Der Turm selbst war ebenfalls meist vollständig aus Holz errichtet worden. In Zeiten, in denen es noch keine Kanonen gab, war dies ausreichend.

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Blick vom Turm auf die Kapelle

Wie gesagt, die in Lütjenburg rekonstruierte Anlage zeigt einen Zustand um 1250. Viele der Burgen wurden in der Folgezeit verlassen und liessen lediglich einen Hügel als Merkmal zurück, wie in unserer Region z.B. der Wellberg bei Pfungstadt oder der Weilerhügel bei Bickenbach.

Andere Burgen entwickelten sich zu Gutshöfen oder kleinen Schlössern weiter. Ein schönes Beispiel hierfür finden Sie hier. Schauen Sie sich das Bild zu dem Link gut an: Ganz rechts sehen Sie ein steinernes Gebäude auf einer Insel, das den Nachfolger der Kernburg darstellt. Die Vorburg in der Mitte hatte sich in der Renaissance zum eigentlichen Schloss weiterentwickelt. Dies machte natürliche eine neue Vorburg nötig. Diese sehen Sie links.

Aber zurück ins Jahr 1250. Unten finden Sie nochmal ein Bild der Turmhügelburg. Und wie gesagt, so ähnlich mag es in Griesheim vielleicht auch einmal ausgesehen haben. Baustoffe und Detailausbildungen mögen sich leicht unterscheiden haben (es liegen ja 600km zwischen beiden Orten), aber im Prinzip kann man sich das so vorstellen. Nur der Grund für den Burgenbau war in Griesheim nicht die Kolonisierung eines fremden Gebietes, sondern liegt in der Gesellschaftsstruktur begründet, wie Sie hier nachlesen können.

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125 Gedanken zu „Eine (fast) echte Turmhügelburg“

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