10 Dinge, die Sie über die Grafen von Katzenelnbogen immer schon wissen wollten

Die Grafen von Katzenelnbogen beherrschten spätestens ab der Übernahme der Herrschaft Dornberg Teile Südhessens, wahrscheinlich auch Griesheim. In der nächsten Zeit werden sie hier in diesem Blog öfter mal vorkommen, deshalb sollen Sie jetzt ein bißchen mehr über diese Herrschaften erfahren. Aus Zeitgründen – ich kann nicht so lange schreiben und Sie wollen nicht so viel lesen – werde ich das Ganze in 10 Häppchen zusammenfassen. Wenn Sie der Meinung sind, daß das so nicht geht oder die ein oder andere Info noch ergänzt sehen wollen: Nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion!

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Wappen der Katzenelnbogener an der Stadtkirche Darmstadt

1 – Markenzeichen: Über das Wappen und den Namen der Katzenelnbogener habe ich hier ja bereits etwas geschrieben. Neben dem Wappen schreibt man den Grafen auch ein Baudetail als Markenzeichen zu: den sogenannten Katzenelnbogener Rundbogenfries. Im Titelbild zu diesem Artikel können Sie einen solchen bewundern – das Bild wurde auf Schloß Auerbach aufgenommen. Diese Friese finden sich im Mauerwerk zahlreicher Burgen und Stadtmauern, die die Katzenelnbogener haben erbauen lassen. Ich finde aber eigentlich, dass es diesen Bauschmuck eigentlich an fast allen vergleichbaren Bauwerken in Nah und Fern gibt, auch wenn diese nichts mit unseren Grafen zu tun haben….

2 – Herkunft: Die Vorfahren der Grafen tauchen im 11. Jahrhundert auf, und zwar im Umfeld des Klosters Prüm in der Eifel. Später haben sie Besitz bei Koblenz. 1094 erbauten Sie die Burg Katzenelnbogen in der Stadt Katzenelnbogen im nordwestlichen Teil des Taunus.

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Burg Rheinfels

3 – Herrschaftsgebiet: Die Katzenelnbogener beherrschten auf ihrem Machthöhepunkt kein geschlossenes Gebiet. Im Wesentlichen gab es die Niedergrafschaft, die das Gebiet um Katzenelnbogen umfasste und bis an den Rhein bei St. Goar reichte. Zentrale Burg war die Burg Rheinfels. Die Obergrafschaft umfasste den Kern des heutigen Südhessens zwischen Rüsselsheim, Reinheim und Zwingenberg mit Darmstadt als späterem Mittelpunkt. Zeitweise hatten die Grafen auch Besitz im Kraichgau. Aus diesem Besitz stammte ihr Grafentitel.

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Burg Rheinfels über dem Rhein

4 – Reichtum: Aufgrund der Besitzungen am Rhein und den dort errichteten Burgen konnten die Grafen Zölle auf alle Waren erheben, die auf dem Rhein transportiert wurden. Der Rhein zwischen Mainz und Köln war damals eine der meistgenutztesten Handelsrouten. Entsprechend gut verdienten die Grafen. Auch an der Bergstraße wurden Zölle eingetrieben. Der Name der Stadt Zwingenberg gibt darüber Auskunft: An einer Stelle, an der die Sumpfgebiete des Altneckars bis an den Fuß des Odenwaldes ragten, wurden die Kaufleute gezwungen, die Zollstation der Grafen zu passieren.

5 – Freunde: Aufgrund ihres Reichtumes waren die Grafen bei Kaisern und Königen gern gesehen. Sie liehen dem Kaiser des öfteren Geld, wenn dieser knapp bei Kasse war und konnten entsprechend Einfluss geltend machen. (Hier sieht man wieder einmal wie rückständig das Mittelalter war. Heute haben Reiche und Arme ja gleichermassen Zugang zur Obrigkeit…) Hauskloster der Grafen war das Kloster Eberbach im Rheingau, wo auch ihre Grablege war. Vielleicht nutzen die Grafen das Wissen und die landesplanerischen Fähigkeiten, die in diesem bedeutenden Kloster reichlich vorhanden waren.

6 – Feinde: Wenn man ein Freund des Kaisers ist und die Kaufleute der reichsten und mächtigsten Reichstädte regelmäßig abkassierte, hat man wenig Freunde. Die Burg Rheinfels war aber mächtig genug, gelegentliche Belagerungen abzuwehren. In Südhessen konkurrierten die Grafen mit regionalen Herrschaften, aber auch mit eigentlich Mächtigeren: Sowohl die Mainzer Bischöfe als auch die Landgrafen von Hessen versuchten hier, Land zu gewinnen.

7 – Burgenbauer: Wichtigstes bauliches Symbol von Adelsherrschaft war die Burg. Aufgrund ihres Reichtumes konnten sich die Grafen zahlreiche davon leisten. Über den Symbolcharakter hinaus hatten diese aber tatsächlichen strategischen Nutzen. Mit einer Burg konnte man die Zollstationen militärisch absichern, natürlich auch das sonstige Herrschaftsgebiet. Katzenelnbogische Burgen in Südhessen waren z.B. das Schloß Auerbach, die Burg Darmstadt, die Dornburg, die Festung Rüsselsheim.

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Modell der Stadt Zwingenberg im Fremdenverkehrsamt (im Gasthaus Zum Löwen)

8 – Stadtgründer: Neben den Burgen gründeten die Katzenelnbogener zahlreiche Städte. Wahrscheinlich hatten Sie erkannt, daß die Zukunft der gesellschaftlichen Entwicklung nicht in den Burgen und den einzeln gelegenen landwirtschaftlichen Höfen bestand, sondern in den Städten mit ihrem Handel, dem Handwerk und den Innovationen. Katzenelnbogische Städte waren Zwingenberg, Reinheim, Groß-Bieberau, Ober-Ramstadt, Darmstadt, Groß-Gerau, Rüsselsheim und vielleicht noch  weitere. Einige dieser Städte kamen jedoch nie über den Status einer bewohnten Burg hinaus – zu großer Bedeutung gelangte im Mittelalter keine von ihnen.

9 – Ende: Im Jahr 1479 starb der letzte Katzenelnbogener, die Grafschaft fiel an seinen Schwiegersohn, den Landgrafen von Hessen. Diese führten den Grafentitel von Katzenelnbogen weiter. Auch die heutigen Könige der Niederlande und die Großherzöge von Luxemburg haben den Titel noch im Namen.

10 – Weitere Infos: …finden Sie natürlich in der Wikipedia. Wenn Sie etwas mehr wissen wollen: Rainer Kunze: Burgenpolitik und Burgenbau der Grafen von Katzenelnbogen, Braubach, 1969


Dieser Artikel ist Teil einer Reihe von Artikeln über die mögliche gescheiterte mittelalterliche Stadtgründung von Griesheim, die möglichen Gründer (Grafen von Katzenelnbogen) und die Frage, wie diese die Macht in Griesheim übernommen haben. Zu der Artikelreihe gehören:

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