Machtwechsel

Burg Dornberg (Groß-Gerau) mit Ritter
Burg Dornberg (Groß-Gerau) mit Ritter

Wenn die bisherige Macht erschüttert wird oder ein Machtwechsel absehbar wird, stellt sich für die Personen aus der bisherigen zweiten Reihe die Frage, ob sie sich am Machtwechsel beteiligen (man nennt sie dann „Königsmörder“), ob sie in der Versenkung verschwinden oder ob sie rechtzeitig zur Opposition überlaufen. In Großbritannien konnte man dies heute nachmittag beobachten. Fairerweise muss man zugeben, dass der dortige Machtwechsel recht humorvoll und friedlich abgelaufen ist, typisch englisch eben.

Vor etwa 760 Jahren war dies in unserer Region ein bißchen anders…

Anfang 1257 starb mit Konrad von Dornberg der letzte seines Geschlechts. Testamentarisch hatte er sein Erbe eigentlich einem entfernten Verwandten in Mainz vermacht, und zwar dem Kämmerer der Stadt, Arnold vom Turm. Wir haben von seinem Familienzweig ja bereits gehört. Allerdings hatte dieser Arnold nur sehr begrenzte Machtmittel, um das Erbe anzutreten. Die Familie vom Turm hatte sich vor längerer Zeit von der Ursprungsfamilie der Dornberger (und damit vom wilden Leben der Rittersleut´) getrennt und war nach Mainz ausgewandert. Als Bürger der Stadt verfügten sie nun nicht mehr über bewaffnete Gefolgsleute.

Dies machte sich eine aufstrebende Macht zunutze: Die Grafen von Katzenelnbogen. Sie verfügten im Gegensatz zu Arnold über Waffenträger (und wahrscheinlich auch über deutlich mehr Macht und Geld). Die Katzenelnbogener machten nun auch Ansprüche auf das Erbe der Dornberger geltend. Diether V. von Katzenelnbogen hatte nämlich eine Mutter, die von den Grafen von Henneberg abstammte. Dieses Südthüringer Geschlecht war Lehnsherr der Dornberger gewesen und die Herrschaft Dornberg sollte jetzt „in der Familie“ bleiben. Die Henneberger belehnten die Katzenelnbogener daher mit der Dornburg.

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Moderner Bau der Volkshochschule in der Vorburg der Dornburg in Groß-Gerau

Da diese Konstruktion aber rechtlich auf etwas wackligen Füssen stand, setzten die Katzenelnbogener zusätzlich noch auf die Macht des Schwertes. Wir sind ja im Mittelalter – heute dagegen werden Meinungsverschiedenheiten ja ganz zivilisiert und vernünftig geregelt.

Im Mai 1257 begann man die Burg Dornburg zu belagern. Eine Urkunde vom 17.5. des Jahres bestätigt dies, sie ist nämlich vor der Burg Dornburg ausgestellt. Ein gewisser Herbord erhält darin Geld von den Grafen.

Wie üblich enthält die Urkunde auch Zeugen des Vorganges. Aus dieser Liste geht hervor, dass die Noblen der Region sich der neuen Macht schon mal an den Hals geworfen hatten und nicht auf Arnold vom Turm (und damit die alte Macht) setzten. Auf der „Freunde-Liste“ des Katzenelnbogeners waren:

  • Conrad von Breuberg
  • Reinhard von Hagnau
  • Ludwig von Helstein
  • Bohemund der Tapfere von Hohenstein und seine Brüder Herrmann und Reinhold
  • Heinrich, Sohn des Wormelin
  • Siegfried von Griesheim
  • Ernst Credenbecher
  • Conrad Bawarus
  • Peregrin von Oppenheim
  • Gerlach und Godebaldus von Bickenbach
  • Balereiz von Lichtenberg
  • Dietrich von Blaberg
  • Eberhard Plebanus, Pfarrer von Gräfenhausen
  • Ludewicus, Pfarrer von Gerau

Ob einige von ihnen ahnten, dass sie nach der Machtübernahme überflüssig werden würden? Dass mit den Herren von Katzenelnbogen eine modernere Form der Landesverwaltung und des Siedlungsbildes Einzug halten würde?

Wie die Belagerung genau ausging, wissen wir nicht. Es gibt nur in einer anderen Urkunde Berichte über Verluste bei der Einnahme der Burg.

Die Herren von Katzenelnbogen standen nun aber als neue Macht da.

Quellenangabe / Literaturhinweis: Franz Flach: Die Dornburg und ihre Bewohner, Groß-Gerau, 1993 (erhältlich im Stadtmuseum Groß-Gerau).


Dieser Artikel ist Teil einer Reihe von Artikeln über die mögliche gescheiterte mittelalterliche Stadtgründung von Griesheim, die möglichen Gründer (Grafen von Katzenelnbogen) und die Frage, wie diese die Macht in Griesheim übernommen haben. Zu der Artikelreihe gehören:

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