Die Dornberger

Im letzten Artikel haben wir ja bereits etwas von der Dornburg in Groß-Gerau und den Herren von Dornberg gehört. Dies soll noch etwas vertieft werden, da die Dornberger für Griesheim im Mittelalter eine gewisse Rolle gespielt haben.

Als erstes muss etwas zu dem Namen Dornburg / Dornberg gesagt werden. Beide Varianten tauchen in alten Texten auf. Die beiden verschiedenen Endungen -berg und -burg können dabei ursprünglich gleichlautend gewesen sein. Berg und Burg haben sowieso den gleichen etymologischen Ursprung.

Der erste Teil „Dorn“ kann ganz einfach auf eine Ortsbeschreibung zurückgehen (Berg oder Burg, von Dornen geschützt), wie so viele andere Ortsnamen in der Umgebung, z.B. Berkach (=Birkenaue).

„Dorn“ kann aber auch vom Wort „Turm“ stammen. Dieses Wort wurde im Althochdeutschen auch „Thorn“ geschrieben. So wurde beispielsweise der Domturm in Frankfurt ganz bescheiden als „Parrthorn“ bezeichnet. Träfe dies nun auch auf die Dornburg zu, dann hätten wir die ganz einfache Bedeutung Turmburg oder Turmberg – und als Turmhügelburg hat die Burg auch ihr Dasein begonnen (ein Bild einer solchen Burg finden Sie hier).

Gestützt wird die „Turm“-Thoerie durch einen Verwandten der Dornberger, der Bürger der Stadt Mainz geworden war. Dieser nannte sich „vom Turm“.

Die Herren von Dornberg, die vermutlichen Erbauer der Burg, werden erstmals um 1160 erwähnt und zwar in Form des Eberhard von Dornberg. Seine Vorfahren stammten wie die Familien der Münzenberger, von Heusenstamm und von Erbach von den Herren von Hagen ab, die als Vögte von ihrer Burg Dreieichenhain (Burg Hagen im Dreieich) den Reichsforst Dreieich verwalteten. Diese stammten wiederrum von einem Verwalter im Dienste Kaiser Ottos des Ersten ab.

Eberhard trat 1165 als Zeuge für Beurkundungen von Kaiser Barbarossa in Frankfurt auf. In die gleiche Zeit fällt die Urkunde, in der Griesheim das erste Mal erwähnt wird, ebenfalls ausgestellt in Frankfurt. Auf dieser sind die Dornberger aber nicht zu finden, soweit ich das sehen kann.

Der Bruder Eberhards, Dragebodo, lebte gemäss einer Urkunde von 1178 im Kloster Eberbach im Rheingau. Dies war im Hochmittelalter das wichtigste Kloster in der gesamten Rhein-Main-Region. Es gehörte zum Bistum Mainz, war aber gleichzeitig das Hauskloster der Grafen von Katzenelnbogen, die in gewisser Gegnerschaft zu Mainz standen. Beide strebten nach Einflussgewinn in Südhessen.

In der romanischen Kirche des Klosters Eberbach
In der romanischen Kirche des Klosters Eberbach

Etwa ab 1173 hatte das Kloster Eberbach auch Besitz in Griesheim und bereits kurz vorher war auf dem Besitz des Dragebodo der Hof Gebenbrunn (heute Gehaborn) gegründet worden, der über das gesamte Mittelalter den Mönchen gehörte und die Aufgabe hatte, Lebensmittel und vielleicht auch Holz in den Rheingau zu liefern.

Die Dornberger hatten also einem Akteur der Griesheimer Geschichte im Spätmittelalter – das erwähnte Kloster Eberbach – schon gleich zu Beginn ihrer Herrschaft eingeführt. Inwieweit sich ihre eigene Herrschaft direkt auf Griesheim erstreckte, lässt sich aber nicht nachvollziehen, ebensowenig, ob diese Herrschaft in irgendeiner Nachfolge des frühmittelalterlichen Königshofes Gerau steht. Aber erstaunlich ist schon, dass die Herren von Dornberg ihre Burg eben genau neben den Ruinen des römischen Geraus erbaut haben, das auch im Frühmittelalter nochmal besiedelt worden war.

1257 endete die Herrschaft der Dornberger. Ungewollt brachten die Dornberger damit die Grafen von Katzenelnbogen ins Spiel. Wie und warum lesen wir beim nächsten Mal.

Quellenangabe / Literaturhinweis: Franz Flach: Die Dornburg und ihre Bewohner, Groß-Gerau, 1993 (erhältlich im Stadtmuseum Groß-Gerau).

Das Titelbild stammt von Matthäus Merian. Es zeigt Groß-Gerau und die Dornburg im Jahr 1665 oder davor. Es wurde aus der Wikipedia entnommen und ist gemeinfrei.


Dieser Artikel ist Teil einer Reihe von Artikeln über die mögliche gescheiterte mittelalterliche Stadtgründung von Griesheim, die möglichen Gründer (Grafen von Katzenelnbogen) und die Frage, wie diese die Macht in Griesheim übernommen haben. Zu der Artikelreihe gehören:

2 Gedanken zu „Die Dornberger“

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