Mit dem Bus in alle Welt, naja, zumindest ins Ried

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Geschichte der Buslinien in Griesheim / Neu: Busse direkt nach Groß-Gerau oder Rüsselsheim

Das wichtigste Nahverkehrsmittel in Griesheim ist die Straßenbahn. Zwei Straßenbahnlinien bringen – tagsüber im 7,5-Minuten-Takt – tausende Fahrgäste zu Zielen in Griesheim und Darmstadt. Es gab aber bis vor kurzem drei Buslinien, die den Westen Griesheims mit Zielen im Ried verbanden. Seit Mitte 2016 ist noch eine vierte Linie hinzugekommen.

Busse steuern Griesheim noch nicht so lange an, wie die Straßenbahn. Während diese seit 1886 unterwegs sind, beginnt die Geschichte der öffentlichen Buslinien erst 1927. Im gleichen Jahr endete sie auch zunächst wieder. Ein Leeheimer Unternehmer hatte sich bezüglich des Interesses an einer Linie von Leeheim über Griesheim nach Darmstadt geirrt und mußte seine Idee sehr kurzfristig wieder aufgeben.

Gleiches geschah ein Jahr später nochmals.

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Ein lohnendes Ziel: Oppenheim

Erst 1930 wurde dann eine erfolgreiche Linie in Gang gesetzt. Die Deutsche Reichspost richtete eine Linie Oppenheim-Darmstadt ein, die über Griesheim führte. Diese existierte wohl über Jahrzehnte und wurde von der Bundesbahn übernommen.

In den 1980er Jahren existierte eine Bahnbuslinie 5505, die von Darmstadt nach Gernsheim und weiter nach Süden führte. Haltestellen in Griesheim waren an der Schulgasse und am Marktplatz. Das restliche Stadtgebiet wurde ohne Halt durchfahren. Parallel dazu gab es die Linie K60, die von Darmstadt über Griesheim, Wolfskehlen, Dornheim und Leeheim nach Geinsheim führte. Auch diese Linie hielt an den beschriebenen Haltestellen in Griesheim.

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Endstation Platz Bar-le-Duc

Beide Linien wurden nach der Gründung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes in Griesheim gekürzt. Sie endeten nun am Platz Bar-le-Duc, an dem es Umsteigemöglichkeiten (bzw. eigentlich einen Zwangsumstieg) zu der Straßenbahn gab. Die Busse fuhren stadteinwärts über die Schulgasse und Hintergasse und hielten in der Groß-Gerauer-Straße. Auf dem Rückweg fuhren Sie über das Kreuz (Jean-Bernard-Platz), die Kreuzgasse und die Pfützenstraße um schließlich wieder in die Schulgasse Richtung Wolfskehlen einzubiegen. Um die Busse nicht zum ständigen Bremsen zu zwingen wurden die Einmündungen der Pariser Gasse und der Pfarrgasse in die Pfützenstraße aufgepflastert – der Bus und alle PKWs hatten somit Vorfahrt.

Nach der Umstrukturierung der Linien im Kreis Groß-Gerau änderten sich auch die Buslinien in Griesheim. Es entstanden die neuen Linien 44, 45 und 46. Mit dem Umbau der Straßenbahnhaltestelle am Platz Bar-le-Duc entstand 2011 eine barrierefreie Busendstation, bei der aus dem Bus über die Haltestelleninsel die Türen der Straßenbahnzüge in weniger als 10 Metern zu erreichen sind. Durch den Umbau der Haltestelle wurde auch eine Buswendeschleife geschaffen. Die Busse fahren daher auf dem Hin- und Rückweg durch die Hintergasse und nicht mehr über das Kreuz.

Mit der Fahrplanumstellung am 12.6.2016 wurden die Griesheimer Buslinien neu strukturiert. Neben neuen Streckenverläufen kam die Linie 42 neu hinzu.

Linie 44: Griesheim (Platz Bar-le-Duc) – Goddelau – Stockstadt – Biebesheim – Gernsheim. Diese Linie ist eine Verstärkerlinie, es fahren lediglich drei Busse am Vormittag und 6 Busse am Nachmittag. Wolfskehlen und der Goddelauer S-Bahnhof werden nicht angesteuert. Samstag und Sonntag gibt es keinen Betrieb.

Linie 45: Griesheim (Platz Bar-le-Duc) – Wolfskehlen – Goddelau – Stockstadt – Biebesheim – Gernsheim. Die Linie 45 ist eine Hauptverkehrslinie, zwischen 5Uhr und 24Uhr fährt mindestens in jeder Stunde in Bus, morgens und mittags gibt es noch eine Verstärkerfahrt. In Goddelau wird über eine Schleife der Bahnhof angefahren.

Linie 46: Griesheim (Platz Bar-le-Duc) – Wolfskehlen – Leeheim – Geinsheim – Trebur – Rüsselsheim. Die Linie 46 fährt nur Montags bis Freitags zwischen 5 und 10Uhr und zwischen 12 und 20Uhr, in etwa stündlich. Einige Fahrten enden bereits in Leeheim oder Geinsheim. Bis Juni 2016 endeten alle Fahrten spätestens in Geinsheim, dafür wurde zwischen Wolfskehlen und Leeheim ein Schlenker über Dornheim gefahren, der nun entfallen ist.

NEU: Linie 42: Griesheim (Platz Bar-le-Duc) – Wolfskehlen – Dornheim – Berkach – Auf Esch – Dornberg – Dornberg Bf – Groß-Gerau Marktplatz – Groß-Gerau Bf – Groß-Gerau Siedlerheim. Die Linie 42 fahrt Montags bis Freitags zwischen 5 und 20.33 stündlich, außerdem Samstags zwischen 8 und 18.23 stündlich.

Es können also mittlerweile (zu bestimmten Zeiten) umsteigefrei zahlreiche Orte im Landkreis Groß-Gerau erreicht werden. Darmstadt wird natürlich auch sehr einfach mit den Straßenbahnen 4 und 9 erreicht.

Keine Direktverbindungen bestehen dagegen immer noch zu den Nachbarorten Griesheim nördlich und südlich:

Büttelborn ist nur mit ein- bis zweimaligen Umsteigen zu erreichen. Entweder über die Buslinien nach Groß-Gerau und von dort mit dem Bus nach Büttelborn oder über die Straßenbahn nach Darmstadt, ab dem Mozartturm etwa 10 Minuten zum Bahnhofsvorplatz laufen und dann mit dem Bus 675 nach Büttelborn.

Weiterstadt ist nur über Darmstadt zu erreichen. Entweder ab dem Hauptbahnhof (zu erreichen mit der Straßenbahn, ab der Haltestelle Mozarttum 10 Minuten laufen) mit der Regionalbahn 75 oder dem Bus 5513 oder ab dem Luisenplatz über das Linienbündel 5514, 5515 und 5516 im 15-Minuten-Takt.

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Schlecht zu erreichen – zumindest von Griesheim aus: Pfungstadt

Pfungstadt ist auch nicht einfach zu erreichen. Man muß entweder mit der Straßenbahn nach Darmstadt fahren, ab dem Mozartturm etwa 10 Minuten zum Bahnhofs laufen und ab dort mit der „Pfungstadtbahn“ fahren. Alternativ kann über die Straßenbahn der Darmstädter Luisenplatz erreicht werden, von hier fährt man mit den Linien 6,7,8 nach Eberstadt und von dort mit dem P-Bus nach Pfungstadt.

Wahrscheinlich ist das Auto zu den drei Nachbarorten die schnellere und bequemere Alternative…

…und das gilt wohl auch für den Griesheimer Norden und den Griesheimer Süden. Diese Gebiete werden vom Öffentlichen Personennahverkehr überhaupt nicht erreicht. Ein Tropfen auf den heißen Stein ist hier das AST – das Anruf-Sammel-Taxi, das für wenig Geld eine Grundversorgung anbietet – allerdings nur tagsüber.

 

 

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