Ein römisches Denkmal in Weiterstadt

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Römischer Grabstein an der Weiterstädter Kirche

Im letzten Artikel habe ich mal eben ein bekanntes römisches Fundstück für Griesheim gekapert und den Weiterstädtern entrissen. Weiterstadt hat aber weiterhin einen weiteren römischen Fund zu bieten. Und als absolute Besonderheit ist dieser sogar frei zugänglich – die meisten anderen Zeugnisse der römischen Epoche in Südhessen liegen dagegen in der Erde, in Museen, in Archiven und leider auch in diversen Vitrinen von Raubgräbern und Geschichtsdieben.

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Evangelische Kirche Weiterstadt

Weiterstadt ist ziemlich arm an Baudenkmälern. Der rasante Aufstieg von einem eher kleinen Dorf zu einer Stadt von fast 25.000 Einwohnern nur 60 Jahren hat keine baulichen Zeugen zurückgelassen. Ein Blick in das (allerdings aus den 1980er Jahren stammende) Denkmalverzeichnis dokumentiert das Elend: Gerade einmal zwei Gebäude stehen im Kernort unter Denkmalschutz. Dabei handelt es sich um ein Fachwerkhaus des 19. Jahrhunderts (also nicht besonders alt) und die evangelische Kirche.

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Gotischer Chor an der Weiterstädter Kirche

Diese stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 1688. Damals ist das Schiff mit dem Turm neu errichtet worden. Von einem mittelalterlichen Vorgängerbau dagegen ist der Chor und die Sakristei übernommen worden. Zwar hat man bei den Anpassungsarbeiten damals das gotische Gewölbe zerstört und durch eine Flachdecke ersetzt. Die gotischen Fenstermaßwerke dagegen sind teilweise erhalten geblieben.

Und noch etwas hat den Umbau von 1688 überdauert. Bei Renovierungsarbeiten tauchte neben einem Sakristeifenster ein Bruchstück eines römischen Grabsteines auf.  Es sind nur die ersten drei Zeilen der Inschrift erhalten. Laut „Die Römer in Hessen“ von Dietwulf Baatz sind diese wie folgt zu übersetzen: „Den Totengöttern, für Julia Mai (…) Papiria…“ . Baatz datiert den Fund in das Ende des 1. oder den Beginn des 2. Jahrhunderts nach Christus.

Woher der Stein stammt und aus welchen Gründen er (um 90° gedreht) in die Außenwand der Weiterstädter Kirche eingemauert wurde, wird sich wohl niemals nachvollziehen lassen.

 

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