Was Wales und die Lutherkirche gemeinsam haben

wales_griesheimZur Zeit findet die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich statt. Teilnehmer an diesem Turnier ist zum ersten Mal die Mannschaft aus Wales.

Wales ist ein Teil des Vereinigten Königreiches. Die Hauptstadt ist Cardiff. Das Land liegt im Westen der Insel Großbritannien und hat etwas mehr als 3 Millionen Einwohner. Von diesen haben heutzutage nur noch weniger als 15% die Fähigkeit, die ursprüngliche walisische Sprache zu sprechen und zu schreiben. Fast 75% der Einwohner haben gar keine Kenntnisse dieser Sprache, die den keltischen Sprachen zuzuordnen ist.

In der Eigenbezeichnung heißt Wales übrigens gar nicht Wales. Es heißt Cymru. Wales dagegen ist die Fremdbezeichnung der Engländer. Der Name stammt von dem germanischen Wort welsch bzw. walhisc ab, mit dem ursprünglich der keltische Stamm der Volken, die um die Zeitenwende in Deutschland siedelten, bezeichnet wurden.

Schon bald nannten aber fast alle germanischen Stämme die benachbarten Kelten Walhisc bzw. später Welsch. Eine Abwandlung dieses Namens verwendeten dann die Engländer für die Waliser.

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Lausanne in der französischsprachigen Schweiz, dem sogenannten Welschland.

Schon vorher entwickelte sich die Tendenz, auch Völker mit romanischen Sprachen als welsch zu bezeichnen. Dies hängt vermutlich damit zusammen, daß nahezu alle keltischen Stämme westlich des deutschen Sprachraumes aufgrund der langen römischen Herrschaft in diesen Gebieten die lateinische Sprache annahmen, und diese zum heutigen Italienisch oder Französisch weiterentwickelten. Die französischsprachige Schweiz wird noch heute manchmal als Welschland bezeichnet. Der schweizer Kanton Wallis verdankt seinen Namen auch der gleichen Herkunft. Die Südtiroler nennen das Italienische Walsch.

Außerdem gibt es natürlich auch noch die Tendenz, Sprachen, die man nicht verstand, als welsch zu bezeichnen. Daher stammt das Wort Kauderwelsch. Eine besondere Geheimsprache war das Rotwelsch.

Französischsprachig war seit jeher die Region Franche-Comté im Osten Frankreichs. Kulturell war es eigentlich Teil Burgunds. Im Gegensatz zu diesem gelangte es aber erst zum Ende des 18. Jahrhunderts in den französischen Staat. Die auf deutsch in alten Texten auch als Freigrafschaft Burgund bezeichnete Franche-Comté ist aus vielen Gründen eine Reise wert.

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Der Dom von Besancon, der Hauptstadt der Franche-Comté.

Einer davon – wenn auch nicht der wichtigste – ist die besondere Bauform der Kirchtürme, die sogenannten clochers comtois. Über 600 Exemplare dieses besonderen Turmabschlusses sind noch erhalten. Viele stammen aus der Barockzeit, andere aber aus der Spätgotik. Wie diese Bauform entstanden ist, ist noch nicht genau untersucht. Klar ist aber, das sie sich klar von den gotischen Spitztürmen oder den romanischen Zeltdächern unterscheidet. Es handelt sich vielmehr um Haubenkonstruktionen, die eine Mischlösung aus einer Pyramide und einer Art Kuppel darstellen. Oft wurde das Ganze mit einer offenen Laterne bekrönt.

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Glauberg in der Wetterau: Evangelische Kirche mit „Welscher Haube“

Neben der Franche-Comté fand diese Turmbekrönung auch in vielen Regionen Deutschlands eine Anwendung, auch und gerne in Hessen. Bei uns wird die Bauform als Welsche Haube bezeichnet. Der Name gibt einen Hinweis auf die fremdartige Herkunft, wobei weder die Bezeichnung noch die Geschichte dieser Architekturformen bisher genauer untersucht worden sind.

Sicher ist aber eines: Ihren Weg hat die Welsche Haube auch nach Griesheim gefunden. Die Lutherkirche trägt seit ihrem Umbau im 17. Jahrhundert eine solche Turmbekrönung. Regionaltypisch wurden dabei gleich mehrere Hauben übereinander angeordnet, wobei konvexe und konkave Schwünge einander abwechseln.

Die Lutherkirche
Die Lutherkirche

PS: Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, eine Welsche Haube einmal selbst zu bauen, dann sei Ihnen der Kauf und der Bau des Modelles der Lutherkirche empfohlen, erhältlich im Griesheimer Museum.

 

 

 

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