Zwiebelstadt

In einer Szene des Films Shrek – Der tollkühne Held* aus dem Jahr 2001 unterhalten sich die beiden Hauptfiguren Shrek (ein Oger) und Esel (ein Esel) über die wichtigsten Charaktereigenschaften der Oger. Shrek vertritt dabei die Ansicht, Oger seien wie Zwiebeln. Rückfragen des Esels, ob Oger ebenso wie Zwiebeln stänken oder Leute zum Weinen bringen würden, oder ob weiße Härchen anfangen würden zu sprießen, wenn man sie in die Sonne legte, verneint Shrek. Vielmehr hätten Oger Schichten.

Trifft das denn auch auf die selbsternannte Zwiebelstadt Griesheim zu? Hat sie Schichten?

Mit Zwiebel bezeichnet man meist das Speicherorgan der ebenfalls Zwiebel  (oder Küchenzwiebel) genannten Pflanze Allium cepa. In der Küche findet sie Verwendung als Gewürz oder als Gemüse, außerdem gilt sie als Heilmittel. Die Zwiebel wird schon seit vielen tausend Jahren von den Menschen verwendet. Ursprünglich vielleicht aus Afghanistan stammend, wurde sie in der Antike von den Römern auch nach Deutschland gebracht.

In Griesheim wurde der Anbau von Zwiebeln vor allem ab dem 18. Jahrhundert wichtig. Damals begann die Spezialisierung der örtlichen Landwirtschaft auf den Gemüseanbau, was die recht fruchtbaren Böden der Westgemarkung gut ermöglichten. Durch diese besondere Landwirtschaft unterschied sich Griesheim damit von den Nachbarorten. Obwohl die Zwiebel heute gar nicht mehr vorwiegend angebaut wird, wurde sie trotzdem zum Symbol für Griesheim bzw. das Besondere Griesheims, was nicht zuletzt in der Benennung des Zwiebelmarktes seinen Ausdruck findet.

Beim Aufschneiden einer Zwiebel fallen (neben dem Gestank und den tränenden Augen) auch die oben erwähnten Schichten auf. Während des Wachstums werden diese ausgebildet. Auffällig ist dabei, dass die Schichten nicht regelmäßig um einen Mittelpunkt angeordnet sind. Vielmehr liegt das Zentrum am unteren Ende des Fruchtkörpers.

Vergleichen wir nun das einmal mit dem Stadtwachstum von Griesheim:

Wachstum der Stadt Griesheim 1165-2020. Quelle: Griesheim Atlas vom Heimatmuseum Griesheim e.V. / Daniel Jünger. Nicht berücksichtigt sind Binnenbebauung, Aussiedlerhöfe. Dargestellt ist jeweils die erste Bebauung, was das Bild im Schießplatzbereich etwas verfälscht.

Schön zu sehen ist in der Karte das Wachstum um den historischen Kern ganz im Westen. Da die Westgemarkung landwirtschaftlich wertvolle Böden besitzt, sind diese nicht bebaut worden. Die Stadt ist daher nur in drei Richtungen (Norden, Süden, Osten) gewachsen. Ab den 1870er Jahren kam als zweiter Entwicklungskern der Schießplatz dazu, in dessen Umgebung nach dem Zweiten Weltkrieg der heutige Stadtteil Sankt Stephan entstanden ist.

Man kann daher sagen, dass auch Griesheim Schichten hat. Über den Geruch dagegen müssen Sie selbst entscheiden. Apropos… Was mache ich bloß mit der angeschnittenen Zwiebel von Bild 2, deren Geruch sich langsam durch alle Räume ausbreitet, während ich diesen Text schreibe?


* Shrek – Der tollkühne Held, USA, 2001, Studio: Deamworks, Regie: Andrew Adamson, Vicky Jenson.