Ausstellung „Unsere Chaussee“

Offiziell heißt sie Wilhelm-Leuschner-Straße. Die Griesheimer nennen sie aber meistens „Chaussee“ oder einfach „Hauptstrooß“. In den beiden Namen spiegelt sich die Geschichte der Griesheimer Magistrale wieder.

Am Anfang war sie ein bloßes Verkehrsbauwerk, eine Kunststraße, die Darmstadt, die damalige hessische Hauptstadt, mit der nach den napoleonischen Kriegen neu erworbenen Provinz Rheinhessen auf kürzestem Wege verbinden sollte. Dass auch Griesheim durch die Straße erschlossen wurde, war eher Zufall als Absicht: Der Straßenverlauf wurde durch die Verlängerung der Prachtstraße bestimmt, die genau mittig auf das Schloss des Großherzogs zuführte. In der Gegenrichtung lag Griesheim eher im Weg. Es ergab sich deshalb, dass bei der Durchquerung des Ortes zwei bis dato unbedeutende schmale Nebengassen statt der bisherigen alten Hauptstraße den neuen Fernverkehr aufzunehmen hatten.

Mit der Zeit entwickelte sich die „Chaussee“ aber vom Fremdkörper zu einem Teil Griesheims. Anfangs zaghaft mit eingeschossigen Häusern bebaut, wurde sie immer mehr zum städtebaulich bestimmenden Element des sich zu einer kleinen Arbeiterstadt weiterentwickelnden Fleckens. Nicht nur wurde sie zentrale Verkehrsachse, die auch eine Straßenbahnlinie nach Darmstadt aufnahm. Auch immer mehr zentrale Funktionen nahm sie auf: Gaststätten, Geschäfte, Schulen, Sportanlagen, Kirchen und das Rathaus wurden an ihr erbaut, Feste auf ihr gefeiert. Mit dem Innenstadtprojekt der 1980er und 1990er Jahre und der Anlage des Marktplatzes wurde die „Hauptstrooß“ dann endgültig zum Mittelpunkt der Stadt und zu ihrem Aushängeschild.

Auswärtige nehmen Griesheim als Ein-Straßen-Ort wahr, andere Stadtgebiete und ältere Strukturen fallen völlig hinter die alles dominierenden Wilhelm-Leuschner-Straße zurück. Die guten und schnellen Verbindungen in alle Welt, die die Straße und die auf ihr fahrende Straßenbahn bieten, sind Fluch und Segen zugleich. Der immer dichter werdende Verkehr zerschneidet die Stadt in zwei Hälften, die sich durch die entsprechende Festlegung von Schul- und Müllabfuhrbezirken auch im alltäglichen Leben verfestigen. Der Widerspruch zwischen Verkehr und Aufenthaltsqualität, zwischen Verbindung und Trennung ist ein Problem – macht aber auch den Charakter dieses zentralen Stückes von Griesheim aus.

Mit der Ausstellung „Unsere Chaussee“ will das Griesheimer Museum die Geschichte des Wandels des Verkehrsbauwerkes zur Innenstadt beleuchten. Neben Antworten auf Fragen, was eine Chaussee ist, wer Wilhelm Leuschner war und wie das Rathaus „gewandert“ ist, sollen vor allem viele historische Bilder und Landkarten aus dem Stadtarchiv das Leben, den Handel, den Verkehr und die Menschen auf der Wilhelm-Leuschner-Straße zeigen.

Die Ausstellung im Griesheimer Museum wird am Sonntag, den 6. Mai 2018, um 11Uhr eröffnet. Sie wird an allen Sonntagen im Mai und im Juni von 14-17Uhr geöffnet sein. Außerdem ist die Ausstellung am Museumsfest (Samstag und Sonntag) geöffnet. Der Eintritt ist frei.