Lage von Kirchen

titel_lage von Kirchen

Im letzten Artikel hatte ich ja behauptet, dass Kirchen in den meisten Fällen am Rand eines Ortes stehen. Zu dieser Behauptung soll nun noch ein Nachweis nachgetragen werden.

Allerdings beschränke ich mich hier auf die Betrachtung von Orten in der näheren Umgebung von Griesheim. (Leider bleibt deshalb auch die schöne Kirche von Hunawihr im Elsass vom Titelbild deshalb außer Betracht.)

Die Randlage von Kirchen gilt natürlich meist nur für die Vergangenheit. Wenn es die Topographie erlaubt, wurden randständige Kirchen in jüngerer Zeit natürlich von Stadterweiterungsgebieten umringt und sind nachträglich so dann doch in die Ortsmitte geraten. Deshalb schauen wir uns hier nur Rekonstruktionen historischer Ortslagepläne an:

babenhausenBabenhausen – Die Stadt am anderen Ende des Landkreises Darmstadt-Dieburg wurde planmäßig im Mittelalter angelegt. Der alte Ort lag südwestlich der jetzigen Altstadt, diese wurde in die Flusswiesen der Gersprenz geplant um den Fluss für die Stadtbefestigung nutzen zu können. Die Stadtkirche liegt direkt an der östlichen Stadtmauer und damit am Rande der Stadt. Bei der Wahl des Ortes spielten zum einen sicherlich eine Rolle, dass man die Kirche aus dem Trubel der kleinen Stadt heraushalten wollte. Zum anderen werden auch hygienische Aspekte die Wahl des Kirchenstandortes beeinflusst haben, schließlich lag um die Kirche ursprünglich der Friedhof.

bensheimBensheim – Bensheim ist einer der ältesten Orte der Region. Zur Stadt ist sie allerdings erst im Mittelalter geworden. Der Stadtgrundriss ist deshalb teilweise planmäßig angelegt worden, Teile sind aber schon vor der Stadtgründung entstanden. Die Kirche auf einem kleinen Hügel am Ausgang der Lauter aus dem Odenwald gehört zu diesem älteren Teil. Bei der Anlage der Stadt werden für die Kirche ähnliche Aspekte eine Rolle gespielt haben, wie bei Babenhausen. Es war aus topographischen Gründen aber auch viel einfacher, den Ost nach Westen in die Ebene zu erweitern als nach Osten. So blieb die Kirch ursprünglich am Rand des Ortes situiert.

darmstadtDarmstadt – 1330 erhielt Darmstadt die Stadtrechte. Die Entstehung des Ortes ist unklar. Auffällig ist aber die Lage der Stadtkirche an der südwestlichen Stadtmauer.

eberstadtEberstadt – Der heutige Stadtteil von Darmstadt war nie Stadt und hat deshalb eine offenere Ortsstruktur. Ältester Teil wird die Kirche auf einer hohen Düne sein, die von der Landstraße nach Heidelberg umzirkelt wird. Die Kirchhofmauer bildete im Südwesten den Ortsrand, während sich der hochmittelalterliche Mittelpunkt des Ortes nördlich der Modau entwickelte.

gr_bieberauGroß-Bieberau – Der Ost lag ursprünglich weiter westlich. Im Mittelalter erhielten die Grafen von Katzenelnbogen für Bieberau die Stadtrechte. Zwar kann man einen geplanten Ortsgrundriss erkennen, der unterhalb der bisherigen Siedlung Richtung Gersprenztal angelegt wurde. Eine Stadtmauer gab es aber wohl nie. Die Kirche liegt am westlichen Ortsrand dieser geplanten Siedlung und wurde wohl erst später hier angefügt.

gr_gerauGroß-Gerau – Die Kreisstadt ist in mehreren Entwicklungsschüben entstanden. Immer in Randlage blieb aber die Stadtkirche an der nordöstlichen Ecke des Ortes. Sie liegt dort auf einer Sanddüne, die den Ort um einige Meter überragt. Die Lage auf der Düne war wohl ausschlaggebend für die Wahl des Bauplatzes. Aus topographischen Gründen (feuchte Wiesen) konnte der Ort nur nach Westen wachsen.

heppenheimHeppenheim – Ähnlich wie Bensheim ist Heppenheim schon recht alt. Bei der Entwicklung zur Stadt wurden jedoch mehr alte Strukturen übernommen. Die Kirche liegt am höchsten Punkt der Altstadt, die bis in den Talgrund reicht. Eine Erweiterung der Stadt erfolgte jeweils in Richtung Westen, sodass die Kirche lange am Stadtrand blieb.

mörfeldenMörfelden – Der Ort hatte im Mittelalter keine Stadtrechte, war aber befestigt. Die Kirche liegt zwar an der alten Hauptstraße, der Ort ist von dort aber nicht regelmäßig gewachsen, sodass die Kirche bis heute relativ nahe am Ortsrand liegt.

ober-ramstadtOber-Ramstadt – Über die Stadtentwicklung von Ober-Ramstadt hatte ich ja hier schon einmal geschrieben. Die Randlage der Kirche, die durch die Lage hoch über dem Flusstal bestimmt wird, hat sich bis heute nicht grundlegend geändert.

pfungstadtPfungstadt – Obwohl Pfungstadt erst im 19. Jahrhundert die Stadtrechte erlangte war es eigentlich immer von einer besonderen Bedeutung. So war es jahrhundertelang Hauptort des Amtes Pfungstadt, zu dem auch Griesheim lange gehörte. Zentral war der Bereich entlang der Modau, später entwickelte sich die nördliche Durchgangsstraße von Eberstadt nach Gernsheim zum Ortskern. Die Pfarrkirche lag zwar dem mittelalterlichen Kern zugewandt, der Kirchhof bildete im Osten aber lange den Rand des Ortes.

TreburTrebur – Entgegen seiner heutigen Bedeutung hatte Trebur im frühen Mittelalter eine herausragende Stellung. Hier lag eine bedeutende Kaiserpfalz, der sich im Westen eine Siedlung vorlagerte. Diese hatte zwar einen stadtartigen Grundriss mit einer recht großen Fläche, Trebur fiel aber am Ende des Mittelalters deutlich hinter Groß-Gerau und dann auch Rüsselsheim zurück. Die heutige Pfarrkirche geht auf die Pfalzkirche zurück und liegt heute wie damals am südöstlichen Ortsrand. Über die Geschichte von Trebur lesen Sie sehr viele lesenswerte Infos auf dem Blog tribur.de. Der obige Stadtplan beinhaltet auch Erkenntnisse von dort.

wolfskehlenWolfskehlen – Auch der westlich von Griesheim liegende Ort hatte keine Stadtrechte. Trotzdem besitzt er einen stadtartigen Grundriss. Die leicht erhöht liegende Kirche, die wohl auf einer Düne sitzt, bildete den westlichen Ortsrand. Die feuchten Wiesen südöstlich und nordöstlich des Ortes bildeten einen natürlichen Schutz der Siedlung, die deshalb erst in der Neuzeit auch nach Westen wuchs und so die Kirche in die Ortsmitte brachte.


Hinweis zu den Stadtkarten: Die hier gezeigten Stadtkarten unterliegen dem Urheberrecht und dürfen nicht ohne meine Zustimmung weiterverwendet werden. Teilweise sind Theorien zur Orstentwicklung eingetragen, die noch nachzuweisen sind. Einige Details, z.B. beim südöstlichen Orstrand von Mörfelden, sind zu überarbeiten.

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