Wie so ein Ortsherr wohnt – Beispiel Amorbach

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Das sogenannte Templerhaus in Amorbach, Kreis Miltenberg, Bayern.

Griesheim im Hochmittelalter, Teil 7

Ein Vertreter einer Turmburg bzw. eines Wohnturmes, wie wir sie in den Artikeln über Holzheim und Eschelbronn gesehen haben, hat sich doch erhalten. Das sogenannte Templerhaus in Amorbach.

Dieses Gebäude besitzt einen Steinsockel, der zwei Geschosse beinhaltet und einen Fachwerkaufsatz, der leicht überkragt. Auch hier liegen wieder zwei Geschosse.

1988 wurde das Gebäude umfangreich saniert und die Baugeschichte dabei untersucht. Bis dahin hatte man den Bau in das 15. Jahrhundert datiert. Die Arbeiten ergaben aber für die Fachwerkgeschosse ein Baujahr von 1291. Das Gebäude ist damit das älteste Fachwerkhaus Bayerns. Es wurde in Teilen in seinen Originalzustand zurückversetzt.

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Der Wohnturm und die heutigen Nebengebäude am Rande der Amorbacher Altstadt.

Bei der Geschichte der Burg Eschelbronn haben wir bereits von einem Rückbau des Turmes gehört, da der Bauherr offensichtlich die Verschriften zur Errichtung einer Burg ohne Genehmigung übertreten hatte. Gleiches wird für das Templerhaus rekonstruiert. Der Fachwerkaufbau war das Ergebnis eines Rückbaus. Denn auch hier haben wir den Fall vorliegen, das ein Ministerialer (im Umfeld des Kosters Amorbach) versuchte, seine Stellung zu verbessern. Der Bauherr – ein Verwalter – hatte wohl versucht, zu Lasten des Klosterbesitzes eine kleinadlige Stellung zu erreichen. Da das Kloster aber zeitglich in den Besitz des mächtigen Bistums Mainz geriet, wurde dies wohl verhindert.

Das Templerhaus wird bei Rekonstruktionen von Turmburgen des 12. und 13. Jahrhunderts regelmäßig als Vorbild heran gezogen.

Quelle:

Mittelstraß, Tilman: Turm und Macht – Der Rückbau des sog. Templerhauses in Amorbach von 1291 im Lichte des Grabungsbefunds aus Eschelbronn im Kraichgau, in: Wackerfuß, Winfried (Hg.): Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften – VII, Breuberg-Neustadt, 2005


Dieser Artikel ist Teil der Artikelreihe zur Griesheimer Burg. Die weiteren Artikel finden Sie hier:

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