Beachbus

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Die Tage werden merklich kürzer, die Temperaturen gehen in den Keller und es bläst ein Stürmchen durch die Stadt – genau der richtige Zeitpunkt, um über das Griesheimer Freibad nachzudenken. Es ist nämlich schon seit einer ganzen Weile sanierungsbedürftig. Der Aufwand dafür wird so groß sein, dass die Sanierung einem Neubau gleichkommt. Vergleichbare Projekte aus anderen Städten zeigen, dass die Kosten für ein neues Freibad bei mindestens fünf Millionen Euro liegen werden, wahrscheinlich aber ist auch eine deutlich höhere Zahl. Selbst eine einigermaßen wohlhabende Stadt wie Griesheim kann sich eine solche Investition nicht leisten, ohne an anderer Stelle schmerzhafte Einsparungen vornehmen oder Steuererhöhungen beschließen zu müssen.

Deshalb stellt sich die Frage, ob der Neubau des Freibades wirklich sinnvoll ist, oder ob es nicht bessere Alternativen gibt.

Zunächst einmal schauen wir uns die Ist-Situation an:

Griesheim leistet sich schon seit vielen Jahren zwei Schwimmbäder: ein Hallenbad und ein Freibad. Sie liegen an unterschiedlichen Standorten, daher muss für beide eine vollständige Infrastruktur (Gebäude, Grundstück, Technik, Außenanlagen, Parkplätze etc.) unterhalten werden. Zwar muss das Personal nicht doppelt vorgehalten werden, da die Bäder nicht gleichzeitig geöffnet sind – das Freibad hat ja bekanntermaßen nur im Sommer geöffnet, während das Hallenbad dann geschlossen ist. Es stellt sich aber tatsächlich die Frage, ob dies so sinnvoll ist. Immerhin steht im Sommer das erst vor wenigen Jahren nahezu neu gebaute Hallenbad ungenutzt herum, während die Freibadfläche mit ihren ca. 21.000qm etwa sieben Monate im Jahr brach liegt. Eine sinnvolle Kombination beider Bäder an einem Standort ist aus geschichtlichen Gründen nicht erfolgt.

Rund um Griesheim werden Bäder geschlossen. Pfungstadt und Gernsheim mussten diesen Schritt beispielsweise vor nicht all zu langer Zeit gehen. Sie konnten sich die anstehenden Sanierungen ihrer Schwimmbäder nicht leisten. In Griesheim wird dies nicht anders sein. Die Investitionskosten für den notwendigen Neubau liegen so hoch, dass man an anderer Stelle möglicherweise so drastische Sparmaßnahmen durchführen müsste, dass für dringend notwendige Investitionen in die Kinderbetreuung, den bezahlbaren Wohnraum, die Verbesserung der Verkehrssituation und die Schaffung von zeitgemäßen Gewerbeflächen kein Geld mehr da wäre. Gleichzeitig müssten vielleicht noch Abstriche beim Bestand gemacht werden und Leistungen wie die Altenbetreuung oder die Stadtbibliothek gekürzt werden. Höhere Steuern, mit denen man das Freibad alternativ finanzieren könnte, will wahrscheinlich niemand.

Also muss man eine andere Lösung finden, und die könnte so aussehen:

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Karte von Griesheim und den westlich davon liegenden Ortschaften. Der Baggersee zwischen Eschollbrücken und Crumstadt ist in seiner derzeitigen Größe (dunkelblau) und in der endgültigen Größe eingetragen (hellblau).

Zwischen Eschollbrücken und Crumstadt findet derzeit Kiesabbau statt. Dabei ist jetzt schon ein See von stattlicher Größe entstanden, der in wenigen Jahren nochmal deutlich vergrößert werden wird. Im Endzustand ist eine Wasserfläche geplant, die deutlich weitläufiger als die des Riedsees bei Leeheim sein wird. Der Betreiber des Kiesabbaus ist verpflichtet, nach Einstellung der Abbauarbeiten den entstandenen See zu gestalten. Im südlichen Uferbereich ist dabei ein Strandbad mit allem erdenklichen Zubehör geplant. Dies ist keine mögliche Zukunft, dies wird konkret passieren. Pläne zur Gestaltung des Sees und seiner Ufer finden Sie hier unter diesem Link. (Achtung: Sie müssen nach dem Klicken des Links auf den blau-grünen Plan links unten klicken, dann sehen Sie die vollständige Planung)

Wie in dem Plan zu sehen ist, den Sie unter obigem Link finden, wird es einen mehrere hundert Meter langen Strandabschnitt, Wiesenflächen, Spielplätze, Infrastrukturgebäude und einen Aussichtsturm geben. Hier scheint ein Angebot zu entstehen, das wesentlich attraktiver ist, als es ein Freibad jemals sein kann. Anstatt also in Griesheim den Neubau eines Freibades zu unternehmen, ist es wesentlich sinnvoller und deutlich kostengünstiger, sich an diesem Strandbad zu beteiligen. Es können so die zu erwartenden Investitionskosten von mindesten fünf Millionen Euro sinnvoller ausgegeben werden.

Es wäre zu prüfen, ob man stattdessen das Hallenbad ganzjährig betreibt, um vor Ort weiterhin ein Angebot für die Sportler zu haben. Dafür muss gegenüber dem jetzigen Zustand nicht investiert werden, dass Personal ist ebenfalls schon da und kann dort beschäftigt werden.

Natürlich ist der Baggersee bei Eschollbrücken schon ein Stückchen von Griesheim entfernt, die direkte Strecke mit dem Fahrrad liegt bei etwa vier Kilometern, mit dem Auto ist es unwesentlich weiter. Man kann hier zwar entgegnen, dass das jetzige Schwimmbad vom alten Kern von Griesheim auch 2,5 Kilometer entfernt liegt, aber tatsächlich ist eine Radtour von insgesamt acht Kilometern (Hin- und Zurück) nicht jedermanns Sache. Deshalb schauen wir uns einmal die Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an:

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Derzeitige Linienführung der Buslinien, die von Griesheim ausgehen.

Vier Buslinien verlassen Griesheim derzeit in Richtung Westen. Die Linie 42 führt über Wolfskehlen nach Groß-Gerau, die 46 über Leeheim und Trebur nach Rüsselsheim. Die Linien 45 und ihre Verstärkerlinie 46 steuern beide Gernsheim an. Im Gegensatz zur 45 umfährt die 46 dabei Wolfskehlen. Von Griesheim aus ist der Baggersee also gar nicht zu erreichen.

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Vorschlag zur Weiterentwicklung der Linienführung der „Griesheimer“ Buslinien: Die Linie 46 nimmt eine teilweise neue Strecke und bindet so Griesheim an den Baggersee, Eschollbrücken und Crumstadt an. Goddelau mit seiner S-Bahn-Station wird weiterhin über die Linie 45 mit Griesheim angebunden.

Wenn man nun aber die Linienführung der 46 überdenken würde, könnte folgendes erreicht werden: Diese Linie könnte von Griesheim aus zuerst Eschollbrücken anfahren und von dort über Crumstadt wieder ihre alte Linienführung Richtung Gernsheim erreichen. Damit wäre der Baggersee von Griesheim bequem mit dem Bus erschlossen – und damit ergibt sich tatsächlich eine funktionierende Alternative zum Freibadneubau.

Nebenbei ergibt sich tatsächlich noch eine ganze Reihe von Vorteilen aus diesem Vorgehen:

  1. Griesheim spart mindestens fünf Millionen Euro Investition und muss stattdessen nur zwei bis drei Bushaltestellen finanzieren.
  2. Griesheim spart hohe zu erwartende Unterhaltskosten für ein neues Freibad.
  3. Griesheim erhält über die Verbindung nach Eschollbrücken einen Anschluss an das Pfungstädter Busnetz. Somit werden die Nachbarstädte, die ja beide nahezu 30.000 Einwohner haben, erstmals direkt miteinander über Busse verbunden.
  4. Die bisherige Freibadfläche wird frei und kann anderweitig genutzt werden. Eine Teilfläche von 10.000 Quadratmetern könnte als Wohngebiet entwickelt werden und die Stadt könnte so Erlöse von fünf Millionen Euro erzielen!
  5. Die Restfläche von 11.000 Quadratmetern könnte als Standort für das neue Feuerwehrhaus verwendet werden – dies müsste allerdings noch auf seine Machbarkeit geprüft werden.
  6. In Griesheim wird durch die veränderte Buslinie erstmals der Südwesten der Stadt inkl. der beiden Neubaugebiete Süd und Südwest erschlossen. Wenn man gleichzeitig die auf diesem Blog vor einiger Zeit vorgeschlagene Straßenbahnverlängerung in Betracht ziehen würde (die man zum Beispiel mit dem Verkauf der Freibadfläche zu einem Teil finanzieren könnte), wäre das Stadtgebiet von Griesheim fast vollständig auf umweltfreundliche Weise erschlossen. Ein bisher angedachter Stadtbus könnte dann entfallen.
  7. Der Stadtbus hätte wohl vollständig von Griesheim finanziert werden müssen, da diese Verbindung als „innerstädtische“ Ergänzung nicht aus dem Topf der DADINA, dem Träger des öffentlichen Verkehrs in unserer Region, finanziert würde. Die hier vorgeschlagener Buslinie über Eschollbrücken wäre aber eine „Fern“-Linie, die nicht von der Stadt alleine getragen werden müsste. Gegenüber dem Stadtbus ergeben sich also hohe Einsparungen, zumal es nicht um eine neue Buslinie geht, sondern „nur“ um eine teilweise Linienänderung.
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Vorgeschlagene Ergänzung des Griesheimer ÖPNV-Systems. Die bestehende Straßenbahn (rot) wird im Norden und Südosten erweitert (orange). Die neue Beachbuslinie 46 erschließt den Südwesten. Die Kreise rund um die Haltestellen geben einen Radius von 400 Metern an – eine Distanz, die man noch bequem laufen kann.

 

 

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