Wie so ein Ortsherr wohnt – Beispiel Holzheim

holzheim_klGriesheim im Hochmittelalter, Teil 5

Wie wohnt er denn nun? Mit dieser Frage haben sich mehrer archäolgische Ausgrabungen beschäftigt. Und sie haben die Frage auch beantwortet. Schauen wir zunächst einmal nach Holzheim bei Fritzlar in Nordhessen…

Der Ort Holzheim wenige Kilometer südwestlich von Fritzlar existiert heute nicht mehr. Er wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts zerstört. Dies war für die Einwohner sicherlich eine Katastrophe. Für die Wissenschaft ist jedoch gerade dieser Umstand ein Glücksfall – wenn man das so sagen darf. Bei einer Notgrabung in den 1970er Jahren und bei weiteren Ausgrabungen Mitte der 1980er Jahre konnte der Ort untersucht werden, ohne auf vorhandene Gebäude Rücksicht nehmen zu müssen, wie dies bei einem heute noch besiedelten Ort sicher der Fall gewesen wäre.

Die Ausgrabung hat diverse interessante Ergebnisse gebracht. Wir schauen uns aber jetzt nur die Ergebnisse zum Wohnsitz des Ortsherren an. Von diesem konnten zwei aufeinander folgende Zustände freigelegt werden.

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Holzheim bei Fritzlar – Rekonstruktion des Herrensitzes bis ins 11. Jahrhundert

Der erste Herrensitz war ein umfriedeter Hofbezirk. Er war umgeben von einer Palisade und einem Graben. In der südöstlichen Ecke des Bereiches lagen drei Gebäude und zwei kleine Grubenhäuser. Das größte der Gebäude deutet man als Herrenhaus. Es war vermutlich in mehrere Räume unterteilt und besaß einen Eingang, der auf das südliche Tor der Anlage ausgerichtet war. Die beiden anderen Gebäude am Hof werden als Stall, bzw. als Scheune angesprochen. Die Grubenhäuser dienten wohl als Werkstätten.

Die überwiegende Fläche innerhalb der Palisade war unbebaut. Aus der Anordnung der drei wichtigsten Gebäude geht man davon aus, daß hier bewußt eine Anlage um einen Hof geschaffen wurde – ggf. haben wir hier einen der ersten nachweisbaren Dreiseitenhöfe vor uns. Diese Anordnung unterscheidet den Hof um das Jahr 1050 von den frühmittelalterlichen Hofanlagen, bei denen die Gebäude eher in Reihen und weniger verdichtet lagen. (Eine Rekonstruktion eines Hofes aus der Zeit um 800 kann man sich in Lorsch anschauen. Dazu demnächst mehr).

Die oben beschriebene Anlage wird im 11. Jahrhundert aufgegeben. Wie wir im Artikel über die Villikation gelesen haben, drückt sich der gesellschaftliche Wandel auch baulich aus. Exakt an der Stelle des landwirtschaftlichen Herrensitzes entsteht nun folgendes:

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Holzheim bei Fritzlar – Rekonstruktion der Burganlage zu Beginn des 12. Jahrhunderts

Der gesamte Bereich wird neu geordnet. Diverse Gebäude werden nun um einen Turm mit steinernem Sockel gruppiert. Dieser wird als Wohnturm mit Verteidigungsfunktion gedeutet. Die Nebengebäude sind ungefähr so ausgerichtet wie der Turm. Eines von ihnen ist ein zusätzlichen Wohngebäude. Eine Scheune oder einen größeren Stall gibt es nicht mehr. Der ganze Bereich ist von einer Palisade mit vier Toren umgeben.

Die landwirtschaftlichen Gebäude wurden ausgelagert und finden sich an anderer Stelle im Dorf als eigenständiger Hof wieder. Man kann sich hier vorstellen, daß der Ortsherr versuchte, einen höheren gesellschaftlichen Stand zu erreichen. Er dokumentierte dies mit einem burgartigen Wohnsitz. Sein zweiter Hof – der Fronhof – liegt dagegen abseits und wird vermutlich von einem Verwalter (Meier) betreut.

Im nächsten Artikel schauen wir uns ein weiteres Beispiel einer Entwicklung eines Hofes zu einer Burg an.

Als Quelle für diesen Artikel diente:

Wand, Norbert: Holzheim bei Fritzlar in salischer Zeit – Ein nordhessisches Dorf mit Herrensitz, Fronhof und Eigenkirche, in: Böhme, Horst Wolfgang (Hg.): Die Salier. Siedlungen und landesausbau zur Salierzeit, Sigmaringen, 1992


Dieser Artikel ist Teil der Artikelreihe zur Griesheimer Burg. Die weiteren Artikel finden Sie hier:

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