Die Dünenfestung, Teil 2

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Vor einigen Tagen hatte ich abends die Gelegenheit, einen kleinen Schlenker in die Griesheimer Dünen zu unternehmen. Einer der letzten Artikel handelte ja bereits von der dortigen Übungsfestung, von der laut Luftbild noch Reste erhalten sind. Vor Ort war ich überrascht, wie gut man die Anlage noch erkennen kann.

Erhalten ist nämlich tatsächlich ein kompletter Ausschnitt aus einer typischen bastionären Festungsanlage, die hier zwar ohne Mauern, aber zumindest als Erdwerk nachgebaut wurde.

Bastionäre Festungsanlagen wurden seit dem 16. Jahrhundert entwickelt. Sie trugen der Entwicklung der Kanone Rechnung. Die zuvor vorhandenen mittelalterlichen Befestigungen waren auf einen Gegner ausgerichtet, der aus Angreifern bestand, die mit Schwertern und Pfeil und Bogen ausgerüstet waren. Dagegen errichtete man Mauern und Gräben.

Solche Mauern aber boten den modernen Kanonen ein leichtes Ziel. Mit wenigen guten Treffern konnten Angreifer eine Bresche schaffen, durch die man die Stadt oder die Burg erstürmen konnte. Gleichzeitig konnten die Verteidiger auf den schmalen Wehrgängen der Mauern keine Geschütze aufstellen, mit denen man die Angreifer bekämpfen konnte.

Die Lösung war es, vor den Mauern hohe Erdwälle zu errichten, die genug Aufstellflächen für Kanonen boten und die bei einem Einschlag eines feindlichen Projektils nur geringen Schaden nahmen. In regelmäßigen Abständen wurden sogenannte Bastionen errichtet, die es den Verteidigern erlaubten, mit den Kanonen das gesamte Vorfeld der Wehranlage zu bestreichen (wie es schönfärberisch ausgedrückt wird).

In der Wikipedia finden Sie jede Menge Informationen zu diesen Verteidigungsanlagen. Von dort ist auch folgende schematische Abbildung entnommen, die die einzelnen Bauteile ganz gut darstellt:

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Bastionen nach der (alt-)niederländischen Manier: gefüllte Bastion (1), hohle Bastion (2), Aufgang bzw. Wallrampe (3), Niederwall oder Fausse-Braie (4), Flanke (5), Kehle (6), Face (7), Saillant (8), Kurtine (9), Festungsterrain (10), Außenwerk /Contre-garde (11), Graben (12). Quelle: Wikipedia

In Griesheim wurde nach 1875 eine „Gefüllte Bastion“ (1) mit Graben (12) und Vorwerk / Contre-garde (11) nachgebaut. Vor Ort stellt sich das dem Betrachter heute so dar:

Bastion_griesheimer dünenWir schauen auf dem Bild von Südosten auf die Spitze der erhaltenen Bastion. Sie ist noch umgeben von dem Graben, der wiederum von dem leichten Wall des Contre-gards umgeben ist. Vor Ort ist die Erkennbarkeit deutlich höher als auf dem Foto, deshalb hier nochmal das gleiche Bild mit ein paar Erläuterungen:

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Blick auf die Griesheimer Dünenfestung. Die Anlage lässt sich sehr gut von den vorhandenen Wegen erkennen. Ein Durchstreifen des Geländes ist deshalb nicht nötig und aufgrund des Naturschutzes auch verboten.

Zum Vergleich soll hier ein Bild der Festung Saarlouis gezeigt werden und zwar aus einer ähnlichen Blickrichtung:

IMG_1237Wieder blickt man auf die Spitze einer Bastion, die hier allerdings nicht nur aus einem Erdwerk besteht, sondern gemauert ist. Davor liegt der Graben. Der Betrachter steht wieder auf dem Contre-garde.

Solche bastionären Befestigungen spielten bis ins 20. Jahrhundert militärisch ein Rolle, deshalb wurde die Anlage auf dem Griesheimer Schießplatz wohl noch nachgebildet.

Die stärkste Verbreitung hatten bastionäre Befestigungssysteme jedoch im 17. Jahrhundert. In unserer Region erhielten bespielsweise die Städte Mainz, Gernsheim und Groß-Umstadt ähnliche Umwallungen. Auch Frankfurt konnte den 30-jährigen Krieg dank seiner damals modernisierten Befestigung überstehen.

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Stadtplan von Frankfurt am Main im 17. Jahrhundert. Deutlich ist der Befestigungsring zu erkennen, der nordmainisch 11 Bastionen verschiedener Bauart umfasste. Zeichnung: Daniel Jünger

Eine für Darmstadt geplante Festungsanlage wurde niemals umgesetzt. Nur das Schloss erhielt an seiner Nordseite drei kleine Bastionen, die auch heute noch zu besichtigen sind.

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Das Darmstädter Schloss. Gut zu sehen sind zwei der drei Bastionen. Die dritte Bastion ist mit dem Gebäude links bebaut, ansonsten aber noch vorhanden. Zeichnung: Daniel Jünger

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