Wie man aus Sch… Gold macht

Früher war dieses oder jenes besser – diese Aussagen hört man gelegentlich. Dabei stimmt das in den meisten Fällen nicht, wie Max Roser von der Universität Oxford zeigt.

In mindestens einem Punkt waren uns die alten Griesheimer aber dann doch deutlich voraus. Denn sie beherrschten die Alchimie, die Kunst, Gold herzustellen. Und als ob das an sich nicht schon ungeheuerlich genug wäre, nutzen sie als Ausgangsstoff auch noch den Stoff, der wohl als das Gegenteil des edelsten Metalles gesehen werden kann.

Als 1874 der Schießplatz auf dem Griesheimer Sand eingerichtet wurde, war klar, dass es durch die Artillerieübungen auch regelmäßig Schäden geben würde. Fehlgeleitete Geschosse zerstörten beispielsweise immer wieder bestellte Äcker. Es musste Schadensersatz im Wert von 3.000 Reichsmark pro Jahr geleistet werden, wie Karl Knapp in seiner Chronik von Griesheim berichtet. Trotzdem ging die damalige Gemeinde den Handel mit dem Kriegsministerium ein, die Schäden aus eigener Tasche zu begleichen. Griesheim erhielt im Gegenzug ein höchst lohnenswertes Angebot.

Die Gemeinde durfte nämlich den im Militärlager anfallenden Stallmist zum eigenen Vorteil versteigern. Der Mist war damals als Dünger heiß begehrt. So konnte pro Jahr ein Erlös von 15.000 Reichsmark erzielt werden, man machte also nach Abzug der Schadensersatzleistungen einen Gewinn von 12.000 Mark.

Die zahlreichen Stallungen sind in den beiden im letzten Artikel gezeigten Plänen des Lagers zu sehen. Hunderte Pferde sorgten Tag für Tag dafür, dass die Einnahmen im Gemeindehaushalt sprudelten. Und durch den gesteigerten Ertrag auf ihren Feldern profitierten die Griesheimer ein weiteres Mal. Erst mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der französischen Besetzung hatte dieses System ein Ende.

In ganz anderer Form kann Griesheim übrigens heute nochmal einen großen Gewinn mit den ehemaligen Militärflächen erzielen. Zwar wird sich dieser nicht, wie vor über hundert Jahren, in Geld messen lassen. Es kann aber auf den sogenannten Konversionsflächen ein neuer Stadtteil gebaut werden, in dem nicht nur der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum entstehen kann, sondern es kann dort auch ausprobiert werden, wie sich Griesheim städtebaulich vernünftig weiterentwickeln kann.

3 Gedanken zu „Wie man aus Sch… Gold macht“

Schreibe einen Kommentar