Hexentanz am „Griesheimer Brunnen“ ?

Aus der traurigen Epoche der Hexenverbrennungen gibt es eine Meldung über einen „Griesheimer Brunnen“. Diese Geschichte führt uns in eine Zeit, in der viele Menschen in bitterer Armut und in heute kaum noch vorstellbaren Verhältnissen leben mussten. Gleichzeitig herrschten damals merkwürdige Vorstellungen von Moral, Schuld und Menschlichkeit vor, für viele war die reale Existenz von Zauberei und Hexen denkbar. Die Kombination aus beiden Punkten führte auch in unserer Region zur verbrecherischen Hexenverfolgung. Selbst der vermeintlich gebildete Landgraf Georg I. hatte damals kaum Probleme, selbst elfjährige Kinder verbrennen zu lassen. Nach solchen Leuten sind heute übrigens immer noch Straßen benannt, s. Landgraf-Georg-Straße in Darmstadt…

Ende des 16. Jahrhunderts fanden in Darmstadt zahlreiche Prozesse gegen vermeintliche Hexen statt, die zur Verbrennung von 18 Menschen im Jahr 1582, 17 im Jahr 1586 und von zweien im Jahr 1590 führten. Ausgangspunkt waren wahrscheinlich tatsächlich ausgeführte Giftmorde.

Einen wirklich gut recherchierten Artikel dazu finden Sie auf dem Blog „darmundestat“ unter diesem Link. Einen weiteren Artikel, der sich mit den beiden jugendlichen Opfern des Hexenwahns beschäftigt, finden Sie hier.

In den Prozessen wird dem damals elfjährigen Wolf unter Folter der Bericht abgepresst, am „Griesheimer Brunnen“ hätten Tänze mit dem Teufel stattgefunden. Wenn Sie sich die Frage stellen, wo dieser Brunnen gewesen sein könnte, dann lesen Sie bitte hier weiter. Wenn Sie mehr über die Umstände der Darmstädter Hexenverfolgung wissen möchten, nutzen Sie bitte die beiden oben genannten Links.

Welcher Ort mit dem „Griesheimer Brunnen“ gemeint war, kann heute leider kaum mehr geklärt werden. Diese Bezeichnung taucht so später nicht mehr auf.

In der Griesheimer Geschichte ist nur einmal ein besonderer Brunnen aufgetaucht. Der „Gute Brunnen“ tauchte 1671 und 1723 für eher kurze Zeit auf und war sehr ergiebig. Er lag weit außerhalb des Ortes ganz im Südwesten der Gemarkung Richtung Goddelau. Er wurde für Trinkkuren bzw. als Heilbrunnen genutzt und war mit einem Gewölbe gefasst. Leider ist dieses wohl so zerstört worden, dass es nicht mehr auffindbar ist (obwohl seit vielen Jahren danach gesucht wird). Bei einem Heilbrunnen sind natürlich diverse Ausschweifungen (Hexentänze) denkbar, aber zeitlich liegen wir ja hier zu spät. Durch die Geologie scheinen solche Wasserquellen im Westen des Ortes immer wieder aufgetaucht und verschwunden zu sein. Die alten Karten zeigen dort viele kurze Wasserläufe. Durch natürliche Abläufe (der Grundwasserspiegel in Griesheim scheint von der Vorgeschichte bis ins Mittelalter kontinuierlich angestiegen zu sein) und durch den Einfluss des Menschen hat sich die Situation ständig geändert. Zu rekonstruieren, wo in historischer Zeit Wasserlöcher gewesen sein könnten wir schwierig.

In diesem Zusammenhang ist sowieso zu fragen, was mit „Brunnen“ gemeint ist. Wir haben hier eine große Bandbreite: es könnte sich um einen gefassten und gestalteten Laufbrunnen gehandelt haben, aber auch um einen Zugbrunnen, oder ganz einfach ein Wasserloch im Wald. Brunnen ist ja verwandt mit „Born“, was ein anderes Wort für Quelle ist.

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Ein „Laufbrunnen“ an der Darmstädter Stadtmauer. Das „Laufen“ bezieht sich darauf, dass ständig Wasser aus einem Auslass läuft.
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Rekonstruierter „Zugbrunnen“ in der Turmhügelburg Lütjenburg in Holstein.
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Wasserstelle im Wäldchen nahe des Burghofes.

Da der Ort Griesheim selbst ziemlich wasserreich ist (man sieht das leider nur überhaupt nicht, da unterirdisch) hatte früher fast jeder Hof seinen eigenen Brunnen. Schon die große Anzahl an Brunnen im Ort würde es unsinnig machen, einen von ihnen als „Griesheimer Brunnen“ zu bezeichnen.

Die Urkunde, die uns vom Brunnen berichtet, ist vermutlich vielmehr aus Darmstädter Sicht geschrieben worden. Dann könnte es sich so verhalten wie beim Griesheimer Haus. Das hat seinen Namen ja auch aus Darmstädter Sicht erhalten, weil es der Jagdpavillion in Richtung Griesheim ist. In dieser Logik müsste der „Griesheimer Brunnen“ dann zwischen beiden Orten im Bereich der Grenze gelegen haben.

Nun ist es ja so, dass dort zwischen Darmstadt und Griesheim das Sanddünenland liegt, in dem eigentlich alle von Osten kommenden Bäche versickern. In den Niederungen zwischen den Dünen (ist heute ja fast alles eingeebnet) weiter westlich könnten diese dann wieder punktuell in Form von feuchten Stellen hervorgetreten sein. Vielleicht ist das der Grund für die Namen Gehaborn und Büttelborn.

„Verdächtig“ sind einige Ortsbezeichnungen im Wald zwischen Darmstadt und Griesheim. Man findet dort die Wiesenschneise. Sie ist entweder nach den nördlichen Wiesen des Darmbaches benannt oder führte selbst an einer im Wald gelegenen Wiese vorbei. Dort könnte dann der Brunnen (Wasserstelle) gelegen haben. Interessant ist, dass der heute noch vorhandene Harrasgraben das Gebiet entwässert. Vielleicht entzieht er dem Gebiet in dem unser Brunnen lag, das Wasser. Das im letzten Artikel erwähnte Bassin zwischen Griesheim und Darmstadt wurde vielleicht auch versorgt durch so eine feuchte Stelle in der Tanne, letztlich ja nicht wirklich erfolgreich. In einer Karte von 1936 taucht nördlich des Forsthauses Harras ein „Karlsbrunnen“ auf.

Die Brunnenschneise im Griesheimer Stadtwald (also dem Wald zwischen Ort und Nordring) kann natürlich auch mit einem „Wasserloch“ in diesem Gebiet zu tun haben. Die Schneise selbst ist allerdings noch nicht so alt, sie ist erst nach 1910 angelegt worden. Der Wald an sich ist ebenfalls noch nicht besonders alt. Er ist erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts künstlich aufgeforstet worden. Vorher waren hier wohl Dünen und Felder. Wenn der Griesheimer Stadtwald auch manchmal als Stück Natur gesehen wird ist er doch von Menschenhand geschaffen.

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Wo der „Griesheimer Brunnen“ war, lässt sich nicht mehr sagen. Es kommt das Gebiet östlich von Griesheim dafür in Betracht.

Wenn jemand hierzu weitere Ideen hat, sind diese bei den Kommentaren gerne gesehen. Vielleicht geht es hier mit Ihrer Mithilfe etwas weiter?

12 Gedanken zu „Hexentanz am „Griesheimer Brunnen“ ?“

    1. Hallo, Im Artikel geht es ja eigentlich um den „Griesheimer Brunnen“, der nicht identisch ist mit dem „Guten Brunnen“. Ersterer ist (s. Artikel) nicht auffindbar, der zweite kann tatsächlich eingegrenzt werden, vo Ort ist aber kein Beweis gefunden worden. Seine genaue Lage ist daher nicht bekannt.
      Gruß, dejot

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