Griesheim an die Gracht

Im Grund genommen teilt sich die Gruppe der Urlauber in zwei Gruppen: Es gibt die In-die-Berge-Fahrer und es gibt die Ans-Meer-Fahrer. In der Auswahl der jeweiligen Ziele gibt es innerhalb der Gruppen natürlich nochmal Unterschiede, manche fahren an die Nordsee, andere ans Mittelmeer. Die einen fahren in den Harz, die anderen in die Rocky Mountains.

Von jeder Regel gibt es natürlich Ausnahmen. Manche fahren abwechselnd in die Berge und dann ans Meer. Andere versuchen, eine klare konzeptionell eindeutige Entscheidung zu vermeiden und fahren an einen See in den Alpen, sei es der Vierwaldstättersee oder der Lago Maggiore. Ein ziemlich fauler Kompromiss…

Erstaunlich ist aber in beiden Fällen folgendes: die Vertreter beider Gruppen nehmen Geld in die Hand und verbrauchen wertvolle Urlaubszeit, um sich in eine Umwelt zu begeben, die sie zu Hause nicht haben. Warum sollte man sich also seine Heimat, in der man 95% seiner Zeit zubringt, nicht so gestalten, wie man sich das eigentlich wünscht?

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Projekte wie dieses gelungene Beispiel in Ginsheim gehen noch nicht weit genug.

Das Anbringen von griechischen Säulen unter dem Vordach oder das Montieren von bayrischen Holzdekorelementen am Balkon kann daher nur ein Anfang sein: Wir müssen größer denken.

Durch die Errichtung einer Almhütte in der Griesheimer Westgemarkung (lesen Sie hier mehr dazu) wurde die eine Gruppe von Urlaubern bereits zufrieden gestellt. Es ist also jetzt an der Zeit, auch etwas für die andere Gruppe, die Ans-Meer-Fahrer, zu tun. Während mit der Almhütte ein toller Ort außerhalb des Ortes geschaffen wurde, muss nun auch etwas im Herzen der Stadt geschehen.

Mit der Errichtung des Innenstadtprojektes kann endlich die Chance genutzt werden, dem bisher ziemlich ungestalteten Georg-Schüler-Platz einen neuen Charakter zu geben. Gerade um bestehende Probleme mit dem Grundwasser und der Löschwasserversorgung zu lösen, liegt die Anlage einer Gracht nach niederländischem Vorbild auf der Hand.

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Der Georg-Schüler-Platz in Griesheim im Jahr 2020. Visualisierung durch STADT.LAND.SAND.VISIO

Diese neue Wasserstraße hätte zudem zahlreiche positive Effekte:

  • Das Betrachten von Wasser wirkt beruhigend: Gerade in den Niederlanden hat wohl jeder schon gesehen, wie zufrieden, ausgeglichen und fröhlich die Menschen in den Cafés sitzen.
  • Wasser kühlt: die immer heißer werdenden Sommernächte in Griesheim könnten auf ein erträgliches Maß zurückgefahren werden.
  • Wasser lockt: Zwischen dem Marktplatz und der Gracht könnte ein neues Café geschaffen werden, das zum Draußensitzen einladen könnte. Zahlreiche Tagestouristen, z.B. aus Darmstadt oder sogar aus Wolfskehlen würden für eine Belebung der hiesigen Innenstadt sorgen.
  • Wasser als Wohnort: die aus Holland bekannten Hausboote könnten einen effektiven Beitrag zur Befriedigung des massiven Bedarfes an bezahlbarem Wohnraum leisten.
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Ratsdelft in Emden: Durch die künstliche Vereisung der Wasserflächen wurde jüngst simuliert, welche wertvollen Flächengewinne in der Emder Innenstadt gemacht werden könnten. Die historischen Schiffe werden fast alle in Griesheim zu sehen sein.

Als Glücksfall muss man dabei eine Entwicklung aus Ostfriesland, genauer gesagt aus der Stadt Emden, bezeichnet werden. Emden steht in ständiger Konkurrenz zur Stadt Leer. Leer hat es in den letzten Jahren geschafft, sich zum neuen Einkaufsmittelpunkt Ostfrieslands zu entwickeln. Emden steuert nun entgegen. Um geeignete Flächen für ein neues Einkaufscenter mit individuellem Charakter in der Innenstadt zu schaffen, wird dort ab 2018 der Ratsdelft, ein ehemaliger Meeresarm, der bisher als Stadthafen diente, zugeschüttet. Leider bedeutet dies auch das Ende des dortigen Freiluftmuseums mit historischen Wasserfahrzeugen. Andere Hafenstädte haben die Übernahme der Schiffe bereits abgelehnt (außer Leer, aber ein Verkauf dorthin kommt natürlich nicht in Frage). Ein Angebot aus Griesheim hatte deshalb Erfolg. So kann die Innenstadtgracht mit einem Dreimaster, einem Leuchtturmschiff („Deutsche Bucht“) und dem Ausflugsdampfer „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ aus DDR-Beständen noch attraktiver werden. Der Transport der Schiffe ist problemlos mit Lastenhubschraubern möglich.

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Die „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ im Emder Ratsdelft. Geschichtsglitterung ist mit weißer Farbe leicht möglich.

Noch eine Mitteilung in eigener Sache: Nach der Fertigstellung der Gracht muss dieser Blog natürlich umbenannt werden. Sie finden ihn dann voraussichtlich 2018 unter www.stadtlandgracht.de .

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