Brücken bauen

Ein Fahrrad-Highway von Griesheim nach Darmstadt

Griesheim mit fast 30.000 Einwohnern und Darmstadt mit über 150.000 Einwohnern sind direkte Nachbarstädte. Trotzdem sind die sie nicht gut miteinander vernetzt. Die beiden Autobahnen, die zwischen den Städten liegen, wirken wie eine Mauer. Dabei wird der direkte Verkehr zwischen den beiden Orten hauptsächlich über eine einzige Brücke im Zuge der B26 abgewickelt.

Gerade im Hinblick auf das immer noch andauernde Wachstum beider Städte wird es aber in Zukunft mehr Verkehr geben. Als Autofahrer ist es meist kein Problem, einen Umweg in Kauf zu nehmen. Um aber den steigenden Verkehr auf umweltfreundlichere Alternativen umzuleiten, muss man zum Beispiel beim Radverkehr auch über zusätzliche, direktere Verbindungen nachdenken.

01 ausgangslageDie Ausgangslage: In der obigen Karte ist die Ist-Situation dargestellt. Im Westen liegt Griesheim, östlich davon das deutlich größere Darmstadt. Die schwarzen Linien stellen vereinfacht das Hauptverkehrsstraßensystem dar. Dickschwarz sind die Autobahnen eingetragen.

02 trennwirkungSperrwirkung: Die Autobahnen trennen die beiden Städte. Für Radfahrer gibt es nur fünf Stellen, an denen ein Queren der Autobahnen möglich ist. Meiner Meinung nach sind dabei die Dornheimer Brücke und die Brücke südlich des Dagger-Komplexes im Zuge des Eberstädter Weges (jeweils rot eingetragen) nicht sicher mit dem Fahrrad zu befahren und scheiden aus. Es bleiben also nur noch drei Querungsstellen (grün). Zwischen der Brücke im Zuge der B26 und der Brücke der Eschollbrücker Straße liegen dabei fast vier Kilometer!

03 radwegeRadwegetrassen nach Darmstadt: Aus den oben dargestellten Querungsmöglichkeiten der Autobahn ergeben sich drei Trassen, über die die beiden Städte für Radfahrer verbunden sind. Im Norden kann dabei die ehemalige Bahnstrecke genutzt werden und man gelangt über einen Waldweg in die nördliche Waldkolonie. Weiterführende Anschlüsse sind eher nicht vorhanden. Zentral liegt die zweite Trasse entlang der B26. Diese führt schnurgerade entlang der im 19. Jahrhundert angelegten Chaussee bis in die Stadtmitte von Darmstadt. Zwar ist hier und da noch etwas zu verbessern, trotzdem sorgt diese Strecke für eine gute Verbindung. Anders sieht es mit der dritten, der südlichen Trasse aus. Da der Eberstädter Weg aufgrund des Verkehres und die alte Pfungstädter Straße aufgrund der tiefen Sandfelder nicht wirklich für den täglichen Gebrauch zu verwenden sind, bleibt nur eine Zufahrt über das Wasserwerk und die Eschollbrücker Straße zur Heimstättensiedlung. Dies stellt allerdings einen Umweg von mehreren Kilometern dar. Diese Variante ist daher keine attraktive Verbindung von Griesheim in den Darmstädter Süden. Die Route über die B26 stellt zumindest für alle Griesheimer südlich der Hauptstraße auch keine Alternative dar, muss man sich doch in Griesheim erst entgegen der Zielrichtung nach Norden begeben, um in Darmstadt dann diese Strecke wieder nach Süden zu fahren.

04 zieleInteressanter Süden: Dabei liegen im südlichen Teil Darmstadts interessante Ziele. Bessungen hat eine hohe Einwohnerzahl, auch die Heimstättensiedlung befindet sich hier. Im Süden liegen aber auch wesentliche Elemente der Wissenschaftsstadt: die Fachhochschule und die TU-Darmstadt. Außerdem ist hier das Gewerbegebiet entlang der Kleyerstraße, das in den nächsten Jahren ausgebaut wird.

05 konversionGriesheimer Entwicklungen: In Griesheim werden in den nächsten Jahren die Konversionsflächen entwickelt. Diese Flächen gehören teilweise auch zur Darmstädter Gemarkung. Während dort vielleicht ein Gewerbegebiet entsteht, sollen in Griesheim bezahlbare Wohnungen und ein kleiner Campus der Technischen Universität Darmstadt geschaffen werden. Die verkehrliche Anbindung dieser Flächen an das bestehende Netz ist noch nicht wirklich geklärt.

Ob das vorhandene Netz dies verkraftet muss noch untersucht werden. Meiner Meinung nach bedarf es zusätzlicher Ideen, wie zum Beispiel die einer neuen Straßenbahnlinie in den Griesheimer Südosten.

Und auch für den Individualverkehr braucht es auch weitere Maßnahmen. Ob das Auto das Pferd ist, auf das man dabei setzen sollte, ist fraglich. Demnächst werde ich hierzu zwar eine Idee zeigen; sinnvoller ist aber das Fahrrad. Hier könnte man ein wahres Bekenntnis zu diesem Verkehrmittel ablegen und bessere und direktere Trassen anlegen. Für unseren Fall hieße das, dass man den Griesheimer Südosten direkt mit dem Darmstädter Süden verbindet. Das sähe dann so aus:

06 radtrasseBeginnend in den Griesheimer Konversionsflächen würde die Fahrradstraße zunächst die Darmstädter Flächen passieren. Anschließend träfe man auf Autobahn und die ehemalige Mülldeponie. Diese werden auf einer an Pylonen aufgehängten Trasse passiert (Wie das aussieht sehen Sie im Titelbild). Aufgrund der geringen Lasten, die eine Fahrradtrasse benötigt, kann dies relativ kostengünstig realisiert werden. Anschließend nutzt die Fahrradstraße vorhandenen Waldwege. Man gelangt durch das Gewerbegebiet Kleyerstraße und die Bessunger Straße (also die in Darmstadt) in die Mitte von Bessungen. Über eine alternative Route können die Heimstättensiedlung, die Lincolnsiedlung und das nördliche Eberstadt erreicht werden, ohne auf Straßen fahren zu müssen.

topokarte1850_bessunger_strÜbrigens ist die Idee einer direkten Verbindung von Griesheim nach Bessungen nicht neu. Diese gab es nämlich über Jahrhunderte. Die Bessunger Straße trägt ihren Namen nicht aus Verbundenheit mit dem ehemals selbstständigen Dorf, sondern sie führte ursprünglich tatsächlich dorthin. Mit dem Bau des Schießplatzes und mit dem Autobahnbau in den 1930er Jahren wurde sie unterbrochen. Die Anlage des Darmstädter Kreuzes und der östlich daneben gelegenen Deponie verstärkten diese Trennung.

Fahrradstraßen sind nicht übrigens gar keine spinnerte Idee. In den Niederlanden gibt es schon lange ein Netz von Fahrradlandstraßen unabhängig vom Verlauf der Autostraßen. In Dänemark wurden in jüngster Zeit Fahrradhochwege durch den Kopenhagener Hafen angelegt.

Im Ruhrgebiet ist der „RS1“, der „Radschnellweg Ruhr“ im Bau. Informationen dazu finden Sie hier.

Und auch im Rhein-Main-Gebiet gibt es schon Beispiele. In Raunheim wurde eine architektonisch aufwendige Brücke für Radfahrer über einen Industriehafen errichtet, um den Radweg entlang des Südufers des Maines zwischen Rüsselsheim und Frankfurt zu komplettieren. Infos dazu hier. Außerdem diskutiert man über den Bau eines Radschnellweges von Darmstadt nach Frankfurt.

Warum sollte so etwas also zwischen Griesheim und Darmstadt nicht möglich sein?


Wenn Sie diese Idee gut finden oder andere (vielleicht bessere?) Ideen zur Optimierung des Radwegenetzes in Griesheim und im Landkreis Darmstadt-Dieburg haben, dann können Sie unter diesem Link Ihre Anregungen los werden – noch bis zum 28.2.2017. Machen Sie mit!

 

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