Liste der Baudenkmäler in Griesheim

Griesheim hat eine reiche und (wenn man etwas genauer hinschaut) auch eine ganz interessante Geschichte. Leider haben Kriege und die Modernisierungen der letzten Jahrzehnte viele bauliche Zeitzeugen verschwinden lassen. Trotzdem gibt es einige Gebäude, die nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz geschützt sind. Welche das sind, lesen Sie hier.

Das Hessische Denkmalschutzgesetz unterscheidet folgende Denkmalarten:

  • Baudenkmäler – das sind einzelne Gebäude oder Anwesen oder Bauteile
  • Gesamtanlagen – das sind Gruppen von Gebäuden, die nicht unbedingt einzeln schutzwürdig sind, sondern im Ensemble
  • Grünanlagen – das können Parks oder Gärten sein, aber auch historische Grünbereiche wie Wiesen, Wälder etc. die geschichtlichen Wert haben
  • Wasserflächen – auch diese können unter Denkmalschutz stehen, z.B historische Kanäle, Stadtgräben, Teiche in Parks etc.
  • Außerdem können Blickachsen und Blickbeziehungen geschützt werden, z.B. der Blick auf eine Burg oder eine Kirche am Ortsrand.

In Griesheim gibt es ausschließlich Einzeldenkmale. Diese sind aufgelistet in der Denkmaltopographie des Landkreises Darmstadt-Dieburg*, die 1988 veröffentlicht wurde. Sie enthält folgende Bauten:

IMG_0400Bessunger Straße 51 – kleines Eckhaus mit Mansarddach und Eckturm. Erbaut 1911 vom Griesheimer Architekten Georg Gerhardt.

IMG_0381Groß-Gerauer-Straße 16 – verputztes Fachwerkhaus aus dem Ende des 18.Jahrhunderts oder Anfang des 19. Jahrhunderts.

IMG_0380Groß-Gerauer-Straße 18 („Loeb´sches Haus“) – zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, in der Zeit zwischen 1900 und 1910 vom Griesheimer Architekten Georg Gerhardt erbaut. Heute Teil des Griesheimer Museums.

IMG_8267Groß-Gerauer-Straße 38 – Bauernhaus des ausgehenden 19. Jahrhunderts

IMG_0344Kreuzgasse 10 – Fachwerkhaus mit gebrochenem Dach, dieser Typ war in Griesheim früher weit verbreitet, ähnliche Bauzeit wie Groß-Gerauer-Straße 38

IMG_0125Oberndorferstraße 1 („Nikolosehaus“) – Infos über dieses Haus finden Sie hier. Das Gebäude wird zur Zeit aufwendig saniert.

IMG_6192Pfarrgasse 2 (Pfarrhaus) – Infos über dieses Haus finden Sie hier.

IMG_9608Pfarrgasse 7-9 / Lutherkirche – Hallenkirche aus der Zeit zwischen 1681 und 1749. Einige Bauteile sind deutlich älter. Mehr Infos finden Sie hier. Die Kanzel, die sich früher in Griesheim und heute in Weiterstadt befindet, können Sie hier sehen.

IMG_9611Pfarrgasse 7-9 / Familiengruft des Landgrafen Friedrich August von Hessen – Grabmal von 1809. Warum dieses Grab sich ausgerechnet in Griesheim befindet, will ich demnächst einmal in diesem Blog schreiben.

IMG_0364Pfützenstraße 8 – Einfaches Fachwerkhaus aus der Zeit um 1800.

IMG_0391Wilhelm-Leuschner-Straße 13 – Wohnhaus von 1905 mit städtischer Architektur. Erbaut vom Griesheimer Architekten Georg Gerhardt.

IMG_8026Wilhelm-Leuschner-Straße 58 (Wagenhalle) – Depothalle mit ehemals fünf Gleisen. Errichtet 1925/26 für die damals neu eingerichtete elektrische Straßenbahn. Die Depotanlagen der älteren Dampfstraßenbahn wurden dafür aufgegeben und stattdessen der Georg-Schüler-Platz angelegt. Schönes Beispiel für die Verkehrsarchitektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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Wilhelm-Leuschner-Straße 58 (Bahnhofsgebäude / „Linie Neun“) – Empfangsgebäude für die Elektrische Straßenbahn, zeitgleich mit der Wagenhalle (s.o.) errichtet. In der Fassade werden die Klinker der Wagenhalle wiederaufgenommen.

Das Waldschlösschen auf seinem Sockel

Wilhelm-Leuschner-Straße 217 (Waldschlößchen) – Zweigeschossiger Bau, um 1900 als Offizierskasino errichtet. Das Gebäude steht in Zusammenhang mit den Militärflächen im Griesheimer Südosten. Das Gebäude steht auf einer Sanddüne, die beim Straßenbau abgetragen wurde.

IMG_4694Hohe Brücke – Sandsteinbrücke von 1749. Errichtet zur Überquerung des Landgrabens im Zuge der alten Straße von Darmstadt nach Wolfskehlen und Dornheim. Bis zum Bau der Chaussee von Griesheim nach Wolfskehlen, der heutigen B26, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte die Brücke eine einigermaßen wettersichere Verbindung von Griesheim nach Westen dar.

Friedhofsweg 10 (ohne Bilder) – Auf dem Friedhof stehen 55 Grabmale des Griesheimer Künstlers Daniel Dell unter Denkmalschutz, der vermutlich auch auf der Darmstädter Künstlerkolonie tätig war.

Damit ist die Liste der Baudenkmale abgeschlossen. Griesheim hat nach Weiterstadt die wenigsten Baudenkmale im Kreis zu bieten. Trotzdem müsste die Liste dringend aktualisiert werden, denn es fehlen einige wichtige Bauten: So taucht zum Beispiel kein einziges der historischen Gebäude am Kreuz auf. Der Grund dafür liegt zum einen darin begründet, dass zu Beginn der 1980er Jahren, als die Grundlagen für die Denkmaltopographie erarbeitet wurden, diverse Fachwerkbauten noch unter Putz lagen und ihr Wert erst bei der Sanierung entdeckt wurde. Zum anderen herrschte in dieser Zeit (das ist ja jetzt nun auch schon wieder 30 Jahre her) noch eine andere Vorstellung vom Wert der Bauten der Gründerzeit (ca. 1860-1910). Bauten aus den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden heute auch schon unter Denkmalgesichtspunkten bewertet.

Deshalb werde ich im nächsten Artikel einige Gebäude vorstellen, die ich ebenfalls für schützenswert halte.


* Landesamt für Denkmalpfleger Hessen (Hrsg.), Enders, Siegfried: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Darmstadt-Dieburg, Braunschweig / Wiesbaden 1988

3 Gedanken zu „Liste der Baudenkmäler in Griesheim“

    1. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein historisches Gebäude unter Schutz gestellt werden kann:
      Künstlerische Gründe – wenn das Haus eine hochwertige Architektur oder einen guten Entwurf aufweist, besonders gestaltet oder verziert ist.
      Geschichtliche Gründe – wenn das Gebäude eine besondere Rolle in der Geschichte oder in der Ortsgeschichte gespielt hat, beispielhaft für einen bestimmten Haustyp ist, mit einer Persönlichkeit verbunden ist oder eine bestimmte Funktion hatte (alte Schule etc)
      Städtebauliche Gründe – wenn das Gebäude städtebaulich eine wichtige Rolle spielt, z.B. am Ende einer Blickachse steht, einen Platz abschließt oder entlang einer Straße eine Art Torsituation bildet oder Teil einer Reihung ist.
      Auch wenn ein Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, kann es aufgrund eines Bebauungsplanes geschützt sein. Das gibt es in Griesheim an manchen Stellen.
      Und wenn das Gebäude gar nicht geschützt ist, kann man ja nicht gehindert werden, es als Besitzer trotzdem als solches zu behandeln. Wenn Sie möchten, können Sie mir per Email Ihre Adresse sagen, ich schaue es mir gerne an. Oder Sie sprechen mit der Kreisdenkmalpflegerin.
      In ein paar Tagen kommt meine Ergänzungsartikel heraus, bei dem ich einige Gebäude auflisten werde, die ich für schutzwürdig halte.

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