Kopfweiden

Wir haben das Glück, dass heute nahezu jedes Produkt in einer großen Auswahl zur Verfügung steht. Wenn es nicht im Supermarkt oder im Fachmarkt im Regal für uns bereitliegt, dann ist es doch wenigstens im Internet zu bestellen und kommt 24 Stunden später bei uns an.

Wir haben das Pech, dass heute nahezu jedes Produkt in einer großen Auswahl zur Verfügung steht. Denn dadurch haben wir ein bißchen verlernt, was Nachhaltigkeit ist.

Um sich das vor Augen zu führen, empfiehlt sich ein Besuch im Naturschutzgebiet Kühkopf.

Der Kühkopf ist eine ehemalige Halbinsel im Rhein. Durch die Begradigung des Flusses in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie zu einer richtigen Insel. Im Westen wird sie begrenzt vom heutigen Hauptstrom, an allen anderen Seiten umgibt sie der Altrhein.

Zu erreichen ist die Insel über zwei Brücken, eine in Stockstadt, die andere in Erfelden. Überquert man das letztgenannte Bauwerk, landet man zunächst in einem tief gelegenen Geländestreifen, der früher Teil des Flussbettes war und heute noch gelegentlich überschwemmt wurde.

Hier kann man die Reste einer alten Kulturlandschaft sehen: Zahlreiche Kopfweiden stehen links und rechts des Wegdammes. Sie errinnern daran, dass früher die Menschen Rohstoffe für ihren Bedarf in der Nähe herstellen und sich dabei mit den natürlichen Gegebenheiten arrangieren mussten.

Kopfweiden sind meist Silberweiden, die einen Standort in feuchten Auenwäldern bevorzugen, wie er hier im alten Flussbett ideal vorhanden ist. Die jungen Weidenbäume wurden eingekürzt und die immer neu entstehenden Äste wurden regelmäßig geschnitten.

Mit den geschnittenen Ästen wurden dann zum Beispiel Weidenkörbe hergestellt. Außerdem konnte man Geflechte herstellen, mit denen sich die Ufer von Flüssen und Gräben befestigen liessen. Und man verwandte die Weidenzweige zum Hausbau.

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Sanierung eines Griesheimer Fachwerkhauses: Gut zu sehen sind die Füllungen zwischen den Gefachen. Weidenäste dienen als Bewehrung.

Fachwerkhäuser bestehen in ihrer Tragstruktur aus Holz. Die Gefache dazwischen wurden z.B mit Lehm gefüllt und dann verputzt. Um dem Lehm eine gewisse Festigkeit zu geben, war eine Bewehrung notwendig. Und hierfür eigneten sich hervorragend die Weidenäste.

Zu sehen ist dies übrigens jederzeit am Griesheimer Museum. An der historischen Schänke an der Groß-Gerauer-Straße wurde ein „Fenster“ in die Bautechnik offengelassen.

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Griesheim, Groß-Gerauer-Straße: Mit dem Pfeil markiert ist das Fenster, in dem man die Füllung der Gefache eines Fachwerkhauses jederzeit studieren kann.

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