Wo kommt eigentlich der ganze Sand her?

Griesheim ist buchstäblich auf Sand gebaut. Bis auf die Bereiche westlich der Pfützenstraße und der Oberndorferstraße, die dem hessischen Ried zuzuordnen sind, liegt die Stadt in einer Landschaft, die ehemals von Sanddünen geprägt war (und außerhalb des Stadtgebietes auch noch ist). Aber wo kommt der ganze Sand eigentlich her?

Um diese Frage zu klären, müssen wir erstmal über die Mittelmeer-Mjösen-Zone sprechen. Nie davon gehört? Aber wenn Sie in Griesheim oder drumherum wohnen, dann wohnen Sie doch da! (Und wenn Sie in Darmstadt oder Wiesbaden oder in Mainz oder Frankfurt wohnen sollten, dann wohnen Sie da auch!).

Die Mittelmeer-Mjösen-Zone
Die Mittelmeer-Mjösen-Zone

Die Mittelmeer-Mjösen-Zone ist eine geologische Störung quer durch Europa. Vom Mittelmeer bei Marseille zieht sie sich bis nach Norwegen zum Mjösa-See. Das Rhonetal, das Tal des Doubs, der Oberrheingraben, Teile der norddeutschen Tiefebene, Jütland, Teile der Ostsee und die Landschaft in Südnorwegen wurden von dieser Störung geformt. Auf beiden Seiten der Störung bewegt sich die Erdoberfläche unterschiedlich. In ferner Zukunft wird Europa vielleicht entlang dieser Zone auseinander reißen.

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Der Oberrheingraben als Teil der Mittelmeer-Mjösen-Zone

Wie gesagt, der Oberrheingraben ist ein Teil der geologischen Störung. Die Erdoberflächen zu beiden Seiten verhalten sich unterschiedlich. Bewegten sie sich zunächst voneinander weg (orangene Pfeile nach außen) verschieben sie sich zur Zeit gegeneinander (rote Pfeile nach oben und unten). Der Prozeß dauert übrigens immer noch an, im Jahr 2014 gab es zuletzt eine ganze Reihe an Erdbeben, die uns daran erinnerten.

Die Störung formt dabei die Landschaft: Es ist der große Graben entstanden, der heute vom Oberrhein durchflossen wird und eine ganze Reihe an Gebirgen wurden aufgeworfen: Die Vogesen und der Pfälzer Wald westlich des Grabens, der Schwarzwald und der Odenwald östlich davon.

rheintalquerschnitt_1In der Frühzeit kam es zunächst zu einer starken Ausprägung der Gebirge und des Tales. Dabei wurden die Gebirge deutlich höher herausgehoben, als wir das heute sehen können. Und auch die Sohle des Grabens lag tiefer als heute. Zeitweise war der Graben sogar mit Meerwasser gefüllt.

Natürlich gehört zu einer ordentlichen geologischen Aktivität auch der Vulkanismus. Der Otzberg, der Roßberg bei Roßdorf, der “Steinbruch” in  Nieder-Ramstadt und der Mainzer Berg zwischen Darmstadt und Dieburg sind die Überreste von kleinen Vulkanen, die heute – hoffentlich – längst erloschen sind.

rheintalquerschnitt_2Neben der Bewegung der Erdplatten und dem Vulkanismus wird die Gestalt der Erde auch durch das Wasser und den Wind geprägt. Gebirge, seien sie auch noch so steil und hoch, werden unweigerlich eines Tages abgetragen sein. Und so wurden die Gebirge neben dem Oberrheingraben nach und nach abgeflacht. Das Material verfüllte den Graben. Eine weite, ziemlich flache Ebene ist an seiner Stelle entstanden.

oberrheingrabenDer Rhein und seine Nebenflüsse, wie z.B. Ill, Neckar und Main fließen heute in dieser Ebene und transportieren Wasser – und natürlich auch Sand und Kies.

Das Klima der Erde ist geprägt durch den Wechsel von Warm- und Eiszeiten. Am Ende der letzten Eiszeit sah das Rheintal etwa wie oben dargestellt aus: Das Tal ist gefüllt mit Schotter und Kies. Verschiedene Flüsse, unter anderem der Rhein, durchfließen von Süd nach Nord das Tal und bilden mehrere Flußarme aus. Dazwischen lagern sich etwas höhere Kiesbänke ab. Nach der Schneeschmelze wird besonders viel Wasser transportiert, deutlich mehr, als der Rhein heute transportiert. Dann treten die Flussarme über die Ufer, zerstören die Kiesbänke und suchen sich neue Wege. Das Wasser fließt relativ schnell, und relativ gradlinig.
eiszeitIm Sommer aber bietet sich ein ganz anderes Bild. Die Flußarme führen deutlich weniger Wasser. Große Kiesflächen fallen trocken, die Kiesbänke werden ja sowieso höchstens nur im Winter überschwemmt. Der Wind streicht über die großen baumlosen Flächen und nimmt mit sich die kleinen und kleinsten Partikel im Kies: Sand und Staub.
Im Oberrheintal herrscht meist Westwind. Das meiste Material wird daher vom Westen nach Osten transportiert. Vor den Bergen lagert es sich ab. Das Tal wird zweigeteilt: Im Westen die wasserreiche Flußlandschaft mit Kiesbänken, im Osten die vom  Flugsand geprägte trockene Sanddünenlandschaft.

Wie so eine Düne aussieht, das können Sie hier lesen.

Wie es mit der Landschaft weitergeht, das lesen Sie hier.

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